Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1626149
XXXVIII. 
BELGIEN 
167 
sameni Haidekraut anfragen. Wie Boulenger mit Corot, könnte Baron 
mit Rotisseau verglichen werden. Sein Vortrag ist breit, solid, von 
robuster Ciesundheit. Er hat nichts von der dürftigen Eleganz Bou-  
lengers, sucht nicht nach zarten Lichtstimmtingen, sondern liebt- 
xvie ROUSSCLILI den kalten 111g, baut seine Gelände geologisch auf, 
möchte die Structur, das Knochengertiste der Erde fühlen lassen 
und strandete schliesslich an derselben Klippe, an der Rousseati 
scheiterte. Immer mehr ging er in's Einzelne. Alles, die Erd- 
SCDlHUIgCHWViC die Vxfolken und Blätter wollte er plastischgeben in 
ihrer vollen Körperlichkeit. Dadurch bekamen seine Bilder etwas 
Mühevolles, Gemauertes. In seinem Streben, den gewöhnlichen 
Tlageston möglichst wahr zu trelTen, veriiel er in ein 'l1artes, kaltes 
Grau. Baron war wie Rousseau ein suchender nie sich genug 
thuender Geist. Seine Kunst ist das Gegentheil des Leichten, Geist- 
reichen, linprovisii'ten. Sie hat etwas schweres, strenges, zähes, eine 
vläniische Ehrlichkeit und fetten Erdgeruch._ 
ßlcqutßs Rosreels, der als Lehrer grossen EinHuss hatte, arbeitete 
nach den nämlichen Principien, nur dass ein helleres, blonderes Licht 
über die Himmel seiner Landschaften rieselt. Seine Kunst ist freier, 
heiterer, sein Colorit schtneichelnder, weicher. Rothe Dächer, grüne 
Wiesen, fette gelbe vlämische Kornfeldei" ergeben eine lustigere Note. 
Auch grosse Ebenen mit kleinen Dörfchen und klappernden XVind- 
mühlen malte er gern, und seine Werke würden noch traulicher 
wirken, wenn er nicht  gleich seinen Vorgängern vom 17. Jahr- 
hundert  das grosse Fornaat so sehr liebte. 
Zu Boulenger, dem belgischen Corot, und Baron, dem belgischen 
Rousseau gesellt sich als belgischer Millet foseplz. Heynrawzzs, dessen 
Debut ebenfalls in"s Jahr 1860 iiel. Sein Beobachtungsfeltl ist das 
ganze vlämische Land. Ausser den sandigen Dünen und weiten 
Aeckern malt er die Waldungen, NViesen und schlafenden Weiher, 
die Haide, die langen geraden Alleen, die, in's Unendliche sich aus- 
dehnenden Horizonte und kleine Pusswege, die durch idyllische 
Holzungen führen. Er liebt das Licht, aber malt auch trübe Gewitter- 
stimmtmgera, die Dämnlerting, die sich über die Fluren ergiesst, die 
Nacht, die Alles in ihren mystischen Schleier hüllt. Und stets ist 
die Natur die Stätte menschlicher Arbeit. Wie Millet setzt er in 
Seine Landschaften den Lilnkllhzlnl], der hinter seinem Piitige hergeht, 
gätet, das Getreide mäht oder mit mächtiger Bewegung als Sämann 
über das Feld schreitet, den Taglöhner, der mit schwerem Schritt
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.