Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1626052
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XXXVIII. 
.GIEN 
stehen, Walzen und Schurungräder, Brückenpfeiler und Locomotiven- 
axen. Arbeiter, eine Art friedlicher Riesen, hantiren am Eisenhamrner 
mit rothglühentlen Schiiften. Meunier nahm selbst an der Seite des 
Arbeiters an diesem Kampfe Theil. Erst Bildhauer, hat er den düstern 
Naturalismus des Germinal auf die Plastik übertragen. Als Maler 
ist er überzeugend und asketisch, ein wenig brutal, aber von auf- 
richtiger Einfachheit. Seine Landschaften riechen nach Kohlen und 
Eisen, und seine Grubenarbeiter sind schreckliche, russgesclnviirzte Ge- 
stalten. von grosser 'Wahrheit, sei es, dass sie stumpfen Blickes in das 
Feuer der Hochöfen starren oder dumpfbrtitend, tibermütlet von der 
Arbeit ausruhen. Auch Märtyrerscenen stellte er aus zuweilen, das 
belgische Gegenstück zu denen, die in Frankreich Ribot im Anschluss 
an die spanischen Naturalisten malte. Statt der Boudoirheiligen der 
frühern Generation sieht man erstaunlich gemalte Akte, halbverweste 
Leichname mit blutigen Wunden. Ein Stück Fleischerladen zog mit 
Meuniers Bildern in die vlämische Kunst ein. 
Wegen dieses Versuches, die religiöse Malerei auf realistischen 
Boden zu stellen, darf auch Charles Verlat nicht übergangen werden, 
der bei einem Aufenthalt in Palästina zahlreiche iigürliche und land- 
schaftliche Studien angefertigt hatte, die er nach seiner Rückkehr zu 
religiösen Bildern zusammensetzte. Das Ergebniss war, wie bei den 
meisten dieser biblischen Orientmaler, ein trivialer, massiver Realis- 
mus, der bei Verlat um so brutaler wirkt, als jeder Blick für die 
Landschaft ihm fehlte. Alles ist versteinert, Personen, Luft und 
Licht. Die religiöse Malerei brachte er nicht vorwärts, wirkte aber 
durch seinen urwtichsigen Realismus doch insofern anregend, als 
er der conventionellen Heiligenmalerei auch in läelgien ein Ende 
machte und durch frischeres Naturstudium sich der allgemeinen Ströme 
ung anschloss. Durch seine Orientbilder wie durch seine T hiere 
und Landschaften wurden manchem jüngeren Künstler die Augen für 
das Leben der Natur geöffnet. 
Louir Dubais ist vielleicht der kraftstrotzendste dieser Courbet- 
Gruppe. Seine ersten saftigen, breit gemalten Bildnisse liessen an den 
alten Pourbus denken. Später wendete er sich mit der breiten Bravour 
und fetten rothbraunen Malweise Courbets dem Figurenbild, dem Still- 
leben und der Landschaft zu. Wenn er nackte Weiber malte, so 
strotzten sie von Gesundheit und Kraft. Er liebte fette Schultern 
undisehnige Hälse, das Schimmern der Haut bei Lampenlicht, das 
Fell der Rehe und Hasen, den schillernden Glanz der Karpfen und
        

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