Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1625937
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XXXVII. 
ENGLAND 
dem Rauch und Schmutz der Industriestiidte zu entfliehen, um frische 
Luft zu athmen und die Sonne untergehen zu sehen draussen in 
der behiibigen Villeggiatur, Wo die Wiesen so frisch und gepflegt 
sind, wo die Blumen duften und die Blätter im Sonnenschein funkeln. 
In den Bildern der Schotten bewegen sich arbeitende Menschen, für 
die Engländer ist die Natur blos da, damit der Mensch seine Freude 
dran hat. Nicht nur Alles, was sie zur prosaischen Dienerin des 
Menschen macht, auch alle Abrupte in der Landschaft, alle Zu- 
fälligkeiten von Gebirgsscenerien, die ja überhaupt in der engli- 
schen Natur selten sind. vermeidet man ängstlich. Ein intimer Winkel 
wird grossen Fernblicken, ruhige Stimmung bewegter Natur vorge- 
zogen. Weiche wellige Thiiler, sanft hingelagerte Hügel im Sinne 
der Hogarthschen Schönheitslinie sind besonders beliebt. Und wenn 
gar der Regenbogen, das biblische Zeichen der Vereinigung am 
Himmel steht, ist die Landschaft für das englische Auge im Zenith 
ihrer Schönheit.  
Da ist Birket-Foster, einer der ersten und energischsten Nach- 
folger Walkers, dessen liebenswürdige Holzschnitte auch in Deutsch- 
land bekannt wvurden; Inchbold, der mit leichter Hand das zarte 
Grün deriGräser auf den Dünen und das helle Blau des Meeres 
zu einem Ganzen von lichtumHossener Feinheit vereint  Leader, 
dessen helle Abende, und Corbett, dessen zarte Morgenstimnitingen 
so schön sind. Marc Fisher, der sich in den Tönen eng an die 
französische Landschaft anschliesst und doch im Gefühl ganz eng- 
lisch bleibt, hat die träumerische Ruhe einsamer Gegenden wie das 
laute geschäftige Leben der Vorstiidte mit grosser künstlerischer 
Kraft gemalt. John White signalisirte sich 1882 mit einer in Luft 
und Licht gebadeten Landschaft vGold und Silbera. Das Gold 
war ein wogendes Getreidefeld, durch das ein kleiner gelber Sand- 
weg führte, das Silber das im Hintergrund funkelnde, glitzernde 
Meer. Ernest Parton, von Birket-Foster angeregt, sucht Tonfeinheit 
mit scharfer Detailinalerei zu vereinen. Seine Motive sind gewöhn- 
lich ganz einfach: ein Bach und ein Birkenholz bei Abenddiünnier- 
ung, eine Pappelallee, die sich trüuinerisch an einem bVassergrabeia 
hinzieht. Marshall malte düstere, in Nebel gebadete Londoner Strassen, 
Docharty blühende Hagedornstriitiche und Herbstabende mit roth 
belaubten Eichen, Alfred East wurde der Maler des Lenzes im Früh- 
lingsduft, wenn die Wiesen im ersten Grün prangen und die eben 
entfalteten Blätter der Bäunie sich als hellgrüne Farbenfleckchen vom
        

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