Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624496
herrschenden, luftlosen Halbdrnkels zu setzen. In dieser sonnigen, 
licht- und luftfluthenden Helle wimmelte es von Problemen, liessen 
sich immer neue Farbenaltkorde entdecken. Strahlen der Sonne, die 
blinkend durch die Blätter der Bäume rieseln; graugrüne, staubge- 
schwängerte, im Sonnenschein brütende Wiesen waren die ersten, 
einfachsten Themen. 
Das vollständige Programm lautete jedoch nicht auf helles Malen, 
sondern tiberhatipt auf Erfassen der wahrheitlichen Farbe unter strengem 
Verzicht auf künstliches Einstimmen in einen überkommenen Ton. 
Nachdem man also das Tages- und Sonnenlicht malen gelernt. war 
die Weitere Forderung, zu beweisen, dass das Exempel des Wälllfllltlltlllf; 
auch auf jede andere Aufgabe stimme. Denn das Licht ist wohl in 
der Sonne weiss, aber auch im NValdesdunkel, im Mondschein, im 
dämmerndeii Raum treibt es leuchtend und farbig zugleich sein Wesen. 
Die Nacht, der Nebel mit seinen wogenden, hineingewebteii Ge- 
heimnissen ist ebenso reich an Schönheiten, als die strahlende Welt 
des fiiinnierntlen Sonnenscheins. Es war wohlthuend für's Auge, 
nach all der Sommersonne auf Wald und Wasser, in die getiämjvfte, 
weiche, ruhige Luft eines Zimmers zu blicken. Auf die ältere, 
derbere Freilichtmalerei folgt die Vorliebe für Dämmerlicht, das mehr 
malerische Weichheit, eine sanftere Farbenharlnonie und mehr Stimm- 
ung besitzt, als das klare Licht des Tages. Man beobachtet das Halb- 
dunkel und sucht in ihm die gesteigerte Farbe, man schaut in die 
Schleier der Nacht und ergeht sich in einer Dunkelmalerei, die nur 
aus der Schule des Pleinairismtis hervorgehen konnte. Denn dieses 
Dunkel ist zugleich luftig, ein Dunkel, in dem es webt, lebt und 
athmet. Malte man früher eine Nacht, so war Alles dick und un- 
durchsichtig, von jenem in's Gelbliche spielenden Schwarz, wozu 
die Firnisskrtisten alter Bilder verführten. jetzt lernte man das ge- 
heimnissvolle Nachtleben ausdrücken, die bläulich graue Atmosphäre 
der Dämmerung wiedergeben. Handelt es sich um Figuren im Innen- 
ratum, so malt man "die Circulation der Luft innerhalb der Gruppen, 
das, was Correggio das Ambiante, Velazqtlez Respiracion nannte. 
Dazu tritt das Studium der künstlichen Beleuchtung: der zarten, 
coloristischen Reize bunter Lampions, des Himmernden Gas- und 
Lampenlichtes, das durch die Glasfenster der Läden strömt, vibrirend 
die Nacht durchzuckt und auf den Gesichtern der Menschen in 
grellem Schein refiectirt. Unter diesen rein malerischen Gesichts- 
punkten vollzog sich die allmählige Erweiterung des Stoüfgebietes.
        

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