Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1625537
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XXX V H. 
ENGLAND 
wegen sich in einem Traum- 
land. Die Parthenonsculp- 
turen beeinflussten ihn, doch 
auch die Japaner sind hin- 
durchgegalngen: Von den 
Griechen lernte er die C0111- 
bination edler Linien, den 
Reiz von Würde und Ruhe, 
die Japaner gaben ihm den 
Sinn für Farbenharnionieen, 
für schwache, gebrochene, 
delikate Töne. Aus der ca- 
priciösen Vereinigung dieser 
beiden Elemente schuf er 
seinen zarten, exquisiten Stil. 
Die Welt, die er sich erbaut 
hat, ruht au f weissen Marmor- 
säulen, in ihren Gärten sind 
kühle Fontänen und Marmor- 
fussböden, aber sie ist auch 
voll von weissen Vögeln, 
sanften Farben und rosigen 
Blütl1ei1 aus Kioto. Und be- 
völkert ist sie von graziösen, 
gClICiIDHlSSVOllCD Jungfrauen, die, in ideale Gewänder gekleidet, die 
Ruhe lieben, sich ewiger Jugend erfreuen und wie Sapphos Gespielinnen 
ganz sich selbst genügen. Man möchte sagen, die alten Tanagraiigureii 
hätten neues Leben bekommen, wenn man nicht zugleich fühlte, datss 
diese Wesen schon" viel Thee getrunken. Nicht ganz modern sind sie, 
ihre Formen sind plastischer, gleichmässiger, als die der wirklichen 
Albionstöchter, aber sie haben in allen Bewegungen einen Chic, 
in allen Ausdrucksnüancen eine müde Modernität, wodurch sie vom 
conventionellen Weib des Classicismus abweichen. Sonst lassen 
sich Moores Bilder nicht beschreiben. Aetherische, ährenblonde, zer- 
brechliche Wesen wälzen sich in ästhetisch abgetönten, grauen und 
blauen, lachsfarbigen oder bleich purpurnen GCWÄHLlCII] auf hellen, 
von japanischen Künstlern mit sehr ästhetischen Stollen dekorirten 
Ruhebänken, stehen in violettem Gewand mit weissem, golddurch- 
wirkten Mantel an einer graublzttien See, die an der Stelle, wo sie
        

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