Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1625412
XXXVII. 
 ' Auge das Licht in seiner aus- 
sersten Deliczltesse. Es sieht 
{TÄL-irllj- mehr das Einzelne, als die 
   Harmonie, ist mehr klar als 
   fein. Das Pleinair hat daher 
  Hi;   sehr wenig Adepten, die atmo- 
     sphärischen Einflüsse, welche 
"t     die Linien der Gegenstände 
   i"   ,   i absttinnvfen, die liarben ver- 
     i.   wischen und einander niihern, 
    finden keine Berticksichtig- 
 K"   ung. Man lasst den Dingen 
  f:   l  die volle Schärfe ihrer Um- 
    risse, und die Harmonie, die 
  sich bei den Franzosen auf 
"      natürlichem XVege aus der 
    Beobachtung des die Formen 
    und Farben durchtriiiikendeii 
Freilerick Lriigblozz. Luft- Ulltl lÄClltßlölllölltCS C1"- 
gibt, wird mehr künstlich da- 
durch erzielt, dass man Alles in einen hellen, zarten, fast zu feinen 
Ton abstimmt. Die Kühnheiten des linpressionisnius sind schon 
deshalb ausgeschlossen, weil eine auf das geistreiche Erhaschen des 
Gesammteindrtlcks ausgehende Malerei dem durch Ruskin gebildeten 
englischen Geschmack als zu skizzenhaft erscheinen xxtürde. Sehr 
ausgefeilt, sehr vollendet  das ist eine Conditio sine qua non, 
auf die der englische Geschmack nicht verzichtet. in der Oelmalerci 
so wenig wie im Aquarell, die hier in viel engeren Wechselbeziehungen 
als anderwiirts stehen und technisch sich gegenseitig beeinHussten. Das 
englische Aquarell sucht an Kraft und Präcision mit der Oelmalerei 
zu wetteifern und hat dadurch den Reiz des Improvisirten, die Verve 
des ersten Wurfs, jene frische Leichtigkeit eingebüsst, die es seinem 
Charakter nach haben sollte. In seltsamer Rollenvertatischung ge- 
fällt sich die Oelmalerei tiarin, dem Aquarell seine Wirkungen und 
technischen Procedtircn zu nehmen. Die Bilder haben nichts Oeliges. 
Schweres mehr, aber zeigen auch nichts von der Handarbeit des 
Pinsels, sondern sehen eher aus wie grosse Aquarelle, vielleicht 
auch wie Pastelle oder Wachsmalerei. Die Farben sind mit Zurück- 
haltung gewählt; alles ist gedämpft, gemildert, wie der Leisetritt des
        

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