Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621710
78 Zwölfzahl. 
wo sich hier noch andere Apostel finden, sind sie mehr oder 
weniger zu blofsen Begleitfiguren herabgedrückt (t. 341, 3 Span; 
ravennat. Skph.) Andrerseits wieder erscheint eine Vergrößerung 
der Zahl gerechtfertigt, wenn, wie es in Arles vorkommt, das 
Apostelkollegium noch durch die Evangelisten verstärkt ist, wobei 
es freilich nicht möglich ist zu untersuchen, welche Figuren mit 
zur Handlung gehören, welche blofse Hintergrundsfüllfiguren sind 
(343, 2. 3). Es mufs aber beachtet werden, dafs die Zwölfzahl trotz 
den Evangelisten bei den Vordergrundsfiguren gewahrt ist. 
Durchweg ist die Kleidung der Apostel wie die Christi: die 
Tunika mit dem darübergeworfenen faltenreichen Pallium. Diese 
würdevolle Tracht ist für sie auch in einer Zeit beibehalten, wo 
es Sitte war, das Unterkleid höher zu gürten und darüber die auf 
der Schulter mit einer Fibula befestigte Chlamys, welche leichter 
und bequemer war zu tragen. So findet sich im Unterschiede von 
Christus und den Aposteln der bittüehende defunctus öfters ge- 
kleidet. Mit wenigen Ausnahmen sind als Fufsbekleidung San- 
dalen verwendet. 
Eine Individualisierung der einzelnen Apostel läfst sich nur 
bei den beiden Christo zunächst stehenden erkennen. Bei dem 
Gros ging man schematisch zu Werke; man folgte den einfachsten 
Gesetzen der Symmetrie, so dafs- in der Regel bärtiger und un- 
bärtiger Kopf miteinander wechseln und die Figuren der einen 
Seite den einzelnen Figuren auf der andern möglichst entsprechen i). 
Nicht immer ist diese Reihenfolge auf das strengste durchgeführt; 
es folgen hier und da einmal zwei bärtige auf zwei unbärtige, ein- 
mal sind alle unbärtig, das andere Mal wieder fast alle bärtig. Die 
frühe Zeit bemüht sich, mehr Abwechslung, gröfsere Lebendigkeit 
auszudrücken; sie bringt Varianten, z. B. im Haare. Später ver- 
liert sich der Sinn hierfür immer mehr und man sucht dem eigenen 
Mangel durch Benutzung früherer Bildwerke abzuhelfen. Vor allem 
I) Wobei zu bemerken ist, dafs dieses symmetrische Schematisieren in den 
römischen Werken vorwiegend eingehalten ist, während z. B. die südfranzösischen 
Künstler sich freier bewegen. Auch der paiermitan. Skph. (t. 349, 4) zeigt gröfsere 
Ungebundenheit und giebt zugleich einige interessantere, selbständige Arbeit ver- 
ratende Köpfe. 
        

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