Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621616
ie ältesten christlichen Sarkophage lassen in der Komposi- 
D tion der einzelnen Scenen durchaus die unmittelbare Einwirkung 
klassischer Traditionen erkennen. Sie beschränken einerseits, und 
darin stimmen sie überein mit der Art und Weise der Katakomben- 
bilder, die Handlung auf das wesentlichste: nur die dazu unbedingt 
erforderlichen Personen werden dargestellt. Man vergleiche hierzu 
einzelne unzweifelhaft frühe, dem "IV. Jahrh. in seinem Höhepunkte 
noch angehörende Sarkophage, z. B. 377, I, für dessen frühe Ab- 
fassung aufser den guten Formen auch noch der Kürbis des Pro- 
phetenjonas sprichtl), und 366, I, jener aus dem Vatikane, dieser 
aus dem Coem. Vaticanum. Wie einfach, ja leer erscheinen diese 
gegen die späteren Produkte! Leise spielt aber hier schon (377, I) 
ein anderes Princip der Sarkophagplastik mit herein: die Kompo- 
nierung nach der Dreizahl. Diese Regel strenger zu beobachten, 
wurde der Künstler vor allem durch eine besondere Art der Sara 
kophage veranlafst. So unwillkürlich sie sich auch in vielen Fällen 
I) Man kann nicht ohne weiteres aus der Wiedergabe des Kikajon als Kürbis 
oder als Epheu auf den Ursprung des betreFfenden Monumentes vor oder nach 
Hieronymus Bibelübersetzung schliefsen. Der Schöpfer der Vulgata beruft sich 
gegenübepden Angriffen auf seine Interpretation von Ion. IV, 6 darauf, dafs Aquila 
cuin reliquis hederam transtulertmt. Andrerseits finden sich Darstellungen mit dem 
Kürbis auf Sarkophagen, welche entschieden einer Zeit angehören, da die Vulgata 
schon in weile Kreise gedrungen war. Aber doch beweist der allgemeine und hef- 
tige Widerspruch, der sich in Rom wie in Afrika gegen die Aufnahme des Epheus 
erhob (Augustinus ad Hieron. ep. LXXI der Maurinerausgabe (t. II p. 213); Hieron. 
ad Ionarn IV, 6 (ed. Vallarsi t. VI, 425 t), dafs die von der Septuaginta vertretene 
Übersetzung vKürbise die geläufige war: omnium sensibus memoriaeque inveteratum 
et tot aetatum successionibus decantatum, wie Augustin sagt. Dementsprechend läfst 
sich auf den Grabdenkmälern die Beobachtung machen, dafs in der ersten Zeit der 
altchristlichexi Kunst der Kürbis ausschließlich dargestellt wurde. Die latein. Über- 
setzung des Hieronymus hat aber allmählich auch hier ihren Einllufs ausgeübt; 
weitaus die Mehrzahl der Monumente vom Anfange des V. Jahrhunderts an zeigt 
das Epheublalt, entweder noch mit der Kürbisfrucht vereinigt oder auch ganz an 
deren Stelle getreten, so dafs man immerhin einen Anhalt für die Datierung hat. 
Es beweist diese Veränderung zugleich, dafs die altchristlichen Künstler nicht immer 
gedankenlos die Vorlagen kopierten.
        

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