Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621604
Der Typus von Petrus 
und Paulus. 
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Neapel nur durch den langen, starken, in der Regel braunen Bart 
aus und beschränken sich auf Andeutung der Kahlheit durch Frei- 
lassen der Stirn im Gegensatze zu dem Petruskopfe. Im fünften 
Jahrhunderte setzt sich auch für ihn der Typus fest. 
Der Nimbus ist vereinzelt den beiden Apostelfürsten schon 
verhältnismäßig frühe gegeben worden, wie t. 67 beweist und für 
Paulus aufserdem noch t. 70; die Neapolitaner Malerei (t. 105 A), 
von Salazaro ins IV. Jahrh. gesetzt, giebt ihn aufser Petrus und 
Paulus auch noch den beiden andern Heiligen.  
Auf einem Arcosolium in Alexandrien ist Petrus neben Pro- 
pheten am Grabe dargestellt, auf einem weiteren Thomas, vor 
dem Herrn stehend; aber diese Darstellungen sind arg verstümmelt, 
nicht publiziert, von Garrucci nur beschrieben (z. tav. 105 BP). 
I) Gztrrucci weist einmal darauf hin, weil er Moses bei dem Quellwunder 
anders, als in der Scene daneben dargestellt Endet (t. I8, 4), dafS dies wohl zu be- 
achten sei, indem es deutlich zeige, dafs unter dem bärtigen Moses beim Quell- 
wunder sich eine andere Person verberge. Dieses Werk ist sicher nicht in die 
früheste Zeit zu versetzen, Sie Zeigt eben in der Verwendung beider Typen für 
Moses das vierte Jahrhundert. Aufserdem aber sprechen in überwältigender Mehr- 
heit die Monumente gegen eine Darstellung Petri oder eine Deutung auf Petrus; 
vielmehr bestätigen sie durchweg die typische Bedeutung des alttestamentlichen 
ltVunderhelden für Christus, indem sie sogar sehr häufig Christus an die Stelle von 
Moses setzen. Man ersieht deutlich die Absicht des Künstlers, das Wasserwunder 
zusammenzustellen mit den zwei Wunderthaten Christi, die im Bewufstsein der 
Christen eigentlich als die Hauptwunder gelten, Speisung und Auferweckung des 
Lazarus. Lag mit jener inhaltlich eine grosse Verwandtschaft vor, so wurde das 
alttestamentliche Wunder mit dem letzteren in formaler Beziehung genau in Ein- 
klang gebracht, ganz so wie auf den Sarkophagen. Darum decken sich auch die 
das Wunder ausiibenden Personen vollständig, ja, sie sind ein und dieselbe Person. 
Die wenigen Beispiele, in denen eine Verschiedenheit betont zu sein scheint, zeigen 
den späteren Ursprung und sind Anzeichen, dal's der historische Sinn sich allmäh- 
lich hervordrängt, eine Unterscheidung des Typus und Antitypus fordernd; übrigens 
steht dem bärtigen Typus des israelitischen Führers neben dem unbärtigen Typus 
die 'l'hatsache gegenüber, dafs die Bärtigkeit öfters sehr willkürlich gewählt ist, so- 
gar für Jesus, der bei der Speisung bärtig erscheint, während neben ihm der das 
Wasserwunder vollziehende unbärtig ist; so ist auch in zwei neutestamentlichen 
Scenen Jesus verschieden gebildet (tav. 24; cfr. tav. 33 u. 70, x). 
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