Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621593
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Der allgemeine 
Aposteltypus. 
Katakombenmalereien erschöpft. Sie ergeben als Resultat, dafs 
die Apostel als Begleitiiguren Jesu bei den erlösenden Wunder- 
thaten so gut wie gar nicht verwendet werden und dafs, mit Aus- 
nahme von zwei in derselben Katakombe sich findenden Scenen, 
die historischen Darstellungen ganz zurücktreten; erst nach und 
nach, eigentlich erst seit dem Ende des vierten Jahrhunderts treten 
magistrale Scenen und mit ihnen die Apostel, als vom Herrn Auf- 
trag, Wort und Gesetz für die Gemeinden empfangende Lehrorgane, 
in den Vordergrund der Darstellung. Aus dem Kollegium heben 
sich sehr bald Petrus und Paulus heraus, durch bevorzugte Stellung 
in dem Plenum und durch besonderen Typus ausgezeichnet, bald 
auch, was im vierten Jahrhunderte ganz vereinzelt dasteht, allein 
mit Christus abgebildet, die Hauptträger der christlichen Lehre, 
die Vertreter der Heiligen, welche die todesfreudige Seele in das 
Paradies geleiten, erst spät als die gekrönten Märtyrer. Der Ent- 
wicklung des Gedankeninhaltes entspricht ein Fortschritt in der 
formalen Behandlung. In den älteren Bildwerken sind die Apostel 
durch nichts von gewöhnlichen jungen Männern unterschieden. Erst 
Ende des vierten Jahrhunderts wird für sie die feierlichere, vor- 
nehmere Kleidung, Tunika und Pallium, üblich, wie auch von da 
an unter die bartlosen Gesichter sich, je später, desto regelmäfsiger 
und häufiger, bärtige Köpfe einreihen; sind diese lediglich durch 
künstlerische Rücksichten bestimmt, so sind für die beiden ersten 
Apostel besondere Typen allmählich zu erkennen, indem Petrus 
mit kurzem Haare und Vollbarte, Paulus mit kahlem Vorderkopfe 
und in der Regel längerem Barte ausgezeichnet ist. Der Typus 
schwankt aber bei beiden. Petrus erscheint im IV. Jahrh. (29, I) 
kahlköplig, und wenn sich auch der gewohnte Typus überwiegend 
zeigt," so sind doch Veränderungen nicht ausgeschlossen: am Ende 
des altchristlichen Zeitraumes sind die Züge älter, Haar und Bart 
konventioneller und greisenhaft (t. 100, 2), was sich vereinzelt schon 
Ende des V. Jahrh. findet: in S. Severo (Neapel) hat er graues 
Haar, grauen Bart. Der Paulustypus ist hier in scharfen Gegen- 
satz dazu gestellt: Bart und Kopfhaar sind braun, aber auch die 
bildliche Wiedergabe des Heidenapostels ist nicht einheitlich durch- 
geführt. Der kahle Kopf findet sich schon im IV. Jahrh., in bester 
Zeit aber (t. 70, 3; IOO, I) zeichnen ihn Beispiele aus Rom und
        

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