Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621512
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bärtigen TyPus- 
Wandlung in den 
sierung. So ist's auf den früheren Gläsern auch da, wo bestimmte 
Persönlichkeiten darzustellen beabsichtigt war laut der beigesetzten 
Inschriften. Ein Judas, ein Petrus und Paulus, von den andern 
nicht sicher zu deutenden Aposteln zu schweigen, unterscheiden 
sich nicht im mindesten von einem Lukas oder Sixtus oder Laurentius. 
Nicht nur da. wo sie, in ganzer Figur, so klein dargestellt sind, 
dafs eine Individualisierung erschwert war. Dieser Typus hält sich 
neben dem später aufkommenden bärtigen Heiligentypus, wie das 
jedenfalls durch Benutzung einer Vorlage entstandene Goldglas 
186, 2 beweist, wo die untere Hälfte drei bärtige, zum Teile kahl- 
köpfige Heilige aufzeigt, während in der oberen Partie vier nament- 
lich bezeichnete Heilige den Typus des vierten Jahrhunderts tragen: 
Paulus, Sixtus, Laurentius, der vierte wohl Petrus. Aber auch bei 
den wenigen frühen Darstellungen in Büstenform ist von einem 
persönlichen Typus nichts zu gewahren. Das Goldglas trav. 186, 7, 
welches in frühe Zeit fällt und eine gute Technik verrät, stellt die 
vier Heiligen, darunter Petrus und Paulus, durchaus jugendlich und 
unbärtig dar, ohne die Spur einer individuellen Charakterisierung, 
und andere Büsten ebenso (186, 1.4; 179, 3; 183, 3. 5). Es sind Ideal- 
gestalten. Aber die Entwicklung drängt zum Typus. Die Familien- 
bilder zeigen immer mehr individuelle, ja naturalistisch aufgefafste 
Köpfe, sie geben eine bis ins einzelnste gehende Detailmalerei. 
So werden auch die Heiligen realistischer gezeichnet. Aus dem 
jugendlichen Idealbilde des Laurentius (189, 2) wird ein bärtiger, 
würdevoller Mann (189, 7), und wie andere noch (186, 2; 192, 1), so 
erfahren auch Petrus und Paulus die Wandlung in den bärtigen 
Typus. Dieser Übergang hat sich sehr allmählich vollzogen. Die 
jugendlichen Köpfe der Apostel und der beiden anderen Heiligen 
auf dem Goldglase (t. 192, 2), die mit leichtem Barte versehen sind, 
dann das Beispiel auf tav. 189, 7, wo die Apostel schon älter sind, 
immer aber noch mit sehr mäfsigem Barte, und die zwischen beiden 
dem Alter nach stehende Abbildung (183, 6) sind hierfür sprechende 
Beweise. Eine gewisse Unsicherheit läfst sich bis späthin verfolgen 
(171, 3; 183, 2)- 
Die Mehrzahl der bärtigen Beispiele der Ganzfiguren befolgt 
die Praxis, beide Apostel gleich zu bilden (192, 2; 189, 7; 183, 6; 
18 5, 5), andere (183, 2; 171, 3) geben nur dem Apostel Paulus einen
        

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