Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621506
Der Aposteltypus im allgemeinen. 
Der Aposteltypus auf den Goldgläsern ist derselbe wie auf 
den frühen Sarkophagen und auf den Katakombengemälden. Der 
Jünger, welcher Christus bei der Speisung begleitet (I76, 6), ist wie 
sein Meister gekleidet: Pallium, Tunika mit breiten clavi; und er 
ist wie dieser gebildet, jung und bartlos mit kurzem Haare, die 
Rechte zur Brust erhoben, als Zeichen der Teilnahme an der 
Aktion. Dies ist für die ins vierte Jahrhundert und die von diesen 
abhängigen Darstellungen des anfangenden fünften Jahrhunderts die 
übliche Weise. Die Apostel sind von den andern Heiligen nicht 
verschieden, sie sind aber auch voneinander nicht unterschieden: 
das Goldglas mit dem Apostelkollegium um Christus, ja selbst die 
Gläser, welche die Heiligen um Christus in Büstenform setzen und 
die nicht mehr in das frühe vierte Jahrhundert fallen (2.13. 187, I. 3), 
zeigen die Apostel alle gleichmäßig jung, bartlos, mit Tunika und 
Pallium. 
Es fehlt jede Spur, wie der Auszeichnung, so der Individuali- 
Nun ist Petrus nach dem bekannten Worte von Prudentius vDer Führer des neuen 
Volkes Israelw; aber dieser Gedanke wird nie dahin ausgeführt, dafs Moses Typus 
für ihn, er also allegorisch dem Alttestamentlichen Wunderhelden zu substituieren sei. 
Keine einzige von den Stellen, welche die römischen Gelehrten hierfür aus den 
Vätern anführen, geht über Prudentius Bezeichnung hinaus. Maximus von Turin 
(opp. ed. Rom. 1784, p. 219) bringt Petrus und Petra in zufällige Verbindung und 
Makarius v. Ägypten (26. hom. p. 154.) bezeichnet Petrus als Nachfolger Moses" nach 
der priesterlichen Würde. Ebensowenig beweist Coustant, Epp. Roman. pontiff. 
p. 866: cathedra Petri est natalis fons, unde aquae cunctae procedunt. Man lese 
die Ausführung der Worte Pauli, I. Kor. X, 4.: Der Fels aber war Christus, z. B. 
bei Augustin; bei aller Ausführlichkeit und Geschmacklosigkeit in der Ausmalung 
der einzelnen Züge und bei aller Allegorisierung gedenkt er Petri mit keinem Worte. 
Und wenn die Akten des Processus und Martinianus von einem Wasserwunder des 
Petrus erzählen vfonte precibus admirabili signo crucis de rupe productow, so be- 
richten sie auch, dass Paulus mit Petrus ein solches vollbracht habe (Lipsius, Die 
Quellen der röm. Petrussage, S. 138 f.) und ein ähnliches wird von Andreas erzählt 
(Acta Andr. et Matth. b. Tischendorf p. 162 und Äthiop. Akten des Barthol. u. Andr. b. 
Lipsius, Apokr. Apostelgeschichten II, 2, 83). Wie hier, so ist auch in Augustins 
ausführlicher Darlegung ade virga Christi: (sermo ad Catechumenos de cataclysmo 
C- 5? t- V11, 169!) von einer virga Petri nichts erwähnt. 
Nach dem allen kann von einem tiefen, allegorischen Sinne der Darstellung 
nicht die Rede sein; im besten Falle hat die von den Vätern oft erörterte, auch 
von Dichtern erwähnte Grundbedeutung des Namens Petrus den Anlafs zu der Ver- 
bindung des Apostels mit dem Petra-Wunder gegeben.
        

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