Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621455
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Bevorzugung der Apostel. 
des Glases zur Darstellung gekommen und um dasselbe in Ganz- 
{igur verschiedene Persönlichkeiten. Der beschränkte Raum des 
Glases und die durchaus nicht für imposante Scenen sich eignende 
Darstellungsweite der Goldglasfabrikation erklärt es, dafs unter den 
erhaltenen nur ein Glas ist, welches das ganze Apostelkollegium 
um Christi Büste gruppiert darstellt. Die Hälfte der Jünger tragen 
Rollen, die andern sind mit ihnen in lebhafter Unterhaltung be- 
griffen. Um vieles häufiger aber stellen die Künstler die heiligen 
Persönlichkeiten aus verschiedenartigen Kreisen zusammen. So 
lieben sie es, Apostel, den Evangelisten Luleas, Geleiter und Schüler 
Pauli im Neuen Testamente und in der Geschichte der römischen 
Kirche rühmlichst bekannte Märtyrer zusammenzufügen. In ziem- 
lich willkürlicher Auswahl und Zusammenstellung. Doch waltet in 
einem grofse Regelmäfsigkeit: von den Aposteln findet sich ein 
einziges Mal Judas, sonst stets Paulus und Petrus. Zwischen den 
um Christi Bild gruppierten Personen linden sich Schriftrollen, auf 
die gewöhnlich hingewiesen wird, später Säulen mit Tafeln darüber, 
welche die Namen tragen; den Säulen ist eine tiefere symbolische 
Bedeutung nicht zu geben: sie sind rein dekorativ. Auch ist eine 
bestimmte Idee hierbei nicht stark betont: die beigegebenen Schrift- 
rollen, welche überhaupt angesehenen Personen verliehen werden, 
erinnern an die christliche Lehre, aber sie verschwinden auf den 
späteren Beispielen dieser Art, und die dargestellten Persönlichkeiten 
haben nur den Zweck, als Heilige die christliche Provenienz des 
Kunstwerkes darzuthun; mehr oder minder werden sie dekorativ 
behandelt, so, wenn sie sich um das porträtierte Ehepaar gruppieren 
(188, 7). Kann man es hier verfolgen, wie das Motiv bis ins fünfte 
Jahrhundert hinein festgehalten wird, so läfst sich dasselbe von 
einem andern Motive behaupten, welches ebenfalls in das vierte 
Jahrhundert in der Hauptsache noch hinaufreicht: einzelne Heilige 
ohne Christus mit Schriftrollen zwischen Säulen gestellt, unter ihnen 
wieder, aber ohne immer besonders hervorgehoben zu sein, Paulus 
und Petrus mit dem Volumen in der Hand. Aber wie sie sich aus 
den Aposteln herausheben, so zeigt die künstlerische Darstellung 
sehr bald, dafs sie wieder unter den andern heiligen Personen eine 
besondere Stellung einnehmen. Wie auch anderwärts, so sind sie 
hier die Vertreter der Sancti, welche die den Himmel suchende
        

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