Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621440
Der Darstellungskreis. 
Die_ vielen Familienbilder sprechen hierfür. Es steht also zu er- 
warten, dafs auch bei jenen Personen, die man nicht mehr vor 
Augen hatte, eine bestimmte Charakterisierung beabsichtigt wurde 
und man, wo Anhaltepunkte vorhanden waren, eine Porträtähnlich- 
keit auch hier erzielen wollte. Das Streben nach individueller 
Charakterisierung" läfst sich im geringsten Grade bei den früheren, 
noch ins vierte Jahrhundert fallenden Golclgläsern beobachten. Es 
besteht zwischen diesen und zwischen den Katakombenmalereien 
eine nahe Verwandtschaft; derselbe sepulkrale Gedankenkreis, die- 
selbe symbolische Auffassung, dieselbe brachylogische Darstellung 
in beiden, was um so bemerkenswerter für die Beurteilung der 
Anschauungen der Christen des vierten Jahrhunderts ist, als die 
Goldgläser so gut wie keine sepulkrale Bestimmung hatten. Aber 
es läfst sich doch für die auf das Leben berechneten Gegenstände 
nicht die ausschliefsliche Existenz jener sepulkralen Scenen beweisen. 
Es treten schon frühe auch andere auf, welche in den Katakomben 
fehlen oder nur selten vorkommen. Es lag nichts näher, wenn 
einmal, wie im vierten Jahrhundert, das Bestreben vorhanden war 
und immer lebhafter wurde, die alltäglichen Vorgänge zu spezifisch 
christlichen zu Stempeln, die für den täglichen Gebrauch bestimmten 
Werkzeuge mit christlichen Emblemen zu schmücken, demgemäfs 
auch die Trinkgefäfse mit christlichen Symbolen und Bildern zu 
zieren, als dafs man hierzu Christus selbst oder seine Apostel oder 
Heilige verwendete. Das ist in der That oft geschehen, anfangs 
zu Gunsten der spezifisch sepulkralen Scenen weniger oft, später 
immer häufiger neben Darstellungen aus dem Leben selbst, beson- 
ders Familienbildern. Den ersten Rang unter diesen Bildern be- 
haupten die Darstellungen der zwei ersten Apostel. Sie nehmen 
ungefähr ein Viertel aller Goldgläser ein, unter den bei Garrucci 
im fünften Bande seiner Storia dell' arte cristiana publizierten 
gegen 80. Die andern Apostel verschwinden dagegen. Es erklärt 
sich aus dem Anschlusse an die Darstellungsweise der Katakomben, 
dafs bei den neutestamentlichen Wunderscenen nur der Kern der 
Handlung dargestellt ist. Ein einziges Mal findet sich ein Jünger 
als Begleiter Christi (tav. 176, 6), aus rein künstlerischen Gründen 
hinzugefügt. Dagegen ist nicht selten auf den noch dem vierten 
Jahrhunderte zuzuweisenden Gläsern Christi Brustbild in der Mitte 
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