Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621438
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Alter der Goldgläser. 
ihr die Vorbilder lieferte. Bis vor kurzem hat die katholische 
Forschung die Goldgläser der Mehrzahl nach in sehr frühe Zeit 
versetzt; gegenwärtig ist man, nachdem schon Garrucci und 
de Rossi teilweise vorangegangen waren, auch auf dieser Seite 
anderer Meinung geworden und nimmt als Entstehungszeit für die 
meisten das vierte Jahrhundert an I). Man darf wohl eine grofse 
Anzahl dem fünften Jahrhundert zuweisen, einzelne streifen in das 
sechste sicher hinein. Wir sind bei den meisten für die Zeitbestim- 
mung auf die stilistischen Merkmale angewiesen; der terminus a quo 
ist für andere durch das Monogramm Christi gegeben, dessen eine 
Form regelmäfsig auf den Goldgläsern in leichten Varianten wieder- 
kehrt und gemäfs seiner einfachsten Gestalt als früheste Entstehungs- 
zeit das erste Drittel des vierten Jahrhunderts zuläfst. Auf sichere 
Spur führt eine Vergleichung der Darstellungen mit denjenigen, auf 
welchen Personen in reicher Kleidung, namentlich mit der Trabea 
abgebildet sind. Das erste Beispiel der Trabea giebt der Konstan- 
tinsbogen, und die reiche Kleidung von Männern und Frauen, ja 
auch von Kindern, überhaupt nähert sich sehr, bisweilen bis ins 
einzelnste, man vergleiche das sich schon hier findende Sternorna- 
ment im Kreise, der Kleidung, wie sie sich auf den Diptychen des 
fünften und sechsten Jahrhunderts findet z). Es bleibt aber trotzdem 
eine beträchtliche Zahl von Gläsern für das vierte Jahrhundert, 
was für die Aposteldarstellungen um so wichtiger ist, als ander- 
weitige Beispiele für die Höhe des Jahrhunderts sich nur in geringer 
Zahl beibringen lassen. 
Die Goldgläser sind für den Gebrauch im täglichen Leben 
bestimmt gewesen, nicht nur zu heiligen Zwecken oder an heiligen 
Tagen. Oft, scheint es, hat man ein Goldglas als Geschenk 
bei der Hochzeit oder sonstigen festlichen Gelegenheiten ge- 
geben. Die Darstellungen gewinnen dadurch einen erhöhten 
Wert. Sie geben uns einen Einblick in die spezifisch volkstüm- 
liche Anschauungsweise. Hierzu kommt, dafs auf den Dar- 
stellungen sich das Bestreben nach Porträtähnlichkeit frühe zeigt. 
I) Man vergleiche z. B. den Artikel vGlasgefäfsew in Kraus' Realencyklopädie. 
2) Man vergleiche zu dieser Frage Wilhelm Meyer, Zwei antike Elfenbeintafeln 
der k. Staatsbibliothek in München (Abhh. der philos.-pl1il01. Klasse der k. bayr. 
Akad. der Wissenschaften. XV. Band, r. Abteilung, 1879).
        

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