Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621408
Fixierung des Typus. 
47 
wie Augustinus nach den Worten, welche sich den zuletzt zitierten 
anschliefsen, oder Epiphanius, der Bilderfeind, der in seiner Er- 
Zählung von der Vernichtung eines kirchlichen Bildes sehr bezeich- 
nend sagt, er wisse nicht mehr, wessen Bild es gewesen sei, quasi 
Christi vel Sancti cuiusdaml). 
Hieronymus bezeugt seine Gleichgültigkeit gegen einen festen 
Typus Petri in der angezogenen Stelle (s.  vielleicht durch seine 
grofse Abneigung gegen die apokryphen Quellen bestimmt. Merk- 
würdig genug ist es immerhin, dafs Chrysostomus, der mit be- 
sonderer Liebe und Vorliebe das Bild des Apostels Paulus zeichnet 
und in seinen Homilien über ihn sonst auch nicht des kleinsten, 
für die Persönlichkeit wichtigen Umstandes vergifst, uns nach einer 
Beschreibung der äufseren Erscheinung, ja einer Anspielung hierauf 
vergeblich suchen läfst. Und doch weisen die Schriftquellen für 
die Fixierung und erste Ausführung des Bildes Pauli in den öst- 
lichen Teil des römischen Reiches. Der charakteristische Ausdruck 
des paulinischen Typus ist die Kahlköpfigkeit. Kombiniert man 
hiermit die Nachrichten über die Karpokratianer, sowie den Brief 
von Eusebius, so ist's das Bild des kahlköpfigen Philosophen, also 
des langbärtigen Mannes, welches in der griechischen Kirche ge- 
zeichnet ist und das sich auch im Abendlande verfolgen läfst. 
Paulus als der Philosoph ist eine den griechischen Vätern geläufige 
Bezeichnung, und Chrysostomus selbst bringt sie in seinen Homilien 
vor den grofsen Kreis der Zuhörer"). Petrus steht hinter Paulus 
zurück, was das Alter der Personalbeschreibungen und der Nach" 
richten über künstlerische Darstellungen anbetrifft. Sein Typus 
hat nicht die scharfe Zuspitzung wie der seines Mitapostels. Eine 
gewisse Fixierung kommt darum später; sie ist keine vollkommen 
durchgeführte. Das christliche Altertum hat dem Mittelalter ver- 
schiedene Typen des Apostels überliefert. Dieses Schwanken er- 
klärt sich aber auch aus andern, als blofs formalen Gründen. Denn, 
wie aufgezeigt, in Rücksicht der Gedanken, welche der Künstler 
I) Ep. ad Ioannem. Ep. Hierosol. in Epiphanii Opp. t. II ed. Petav. p. 317. 
2) In den Lobreden auf Paulus z. B. Hom. VI, Opp. Montf. II, p. 601 u. ö. 
Für das Abendland vgl. z. B. den Hymnus de Petro et Paulo, b. Daniel, Thes. 
hymn. II, 376.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.