Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621341
Spätere Berichte über Visionen. 
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sanctam Dei genitricem Mariam atque principes Petrum et Paulum 
apostolorum et sanctos martyres viderint in transitu suoI). 
Wenn man den Schlufsfolgerungen der Herausgeber vertrauen 
darf, so fällt in die erste Hälfte des siebenten Jahrhunderts die von 
Petrus Damiani berichtete und von den Bollandisten in die Acta 
aufgenommene Erscheinung Petri in Ägypten: ecce quidam terri- 
bilis et grandaevus senex, in cuius etiam facie barbirasium videbatur, 
elato brachio 2). Sicher gehören in dieses Jahrhundert die Visionen, 
in denen der heil. Amandus den Apostel Petrus gesehen haben soll. 
Dem Mastrichter Bischof erschien der sPförtner des himmlischen 
Hausesa -in sehr freundlicher Weise: aspectu laeto, serena facie, 
claritatis habitu renitens3). Und am Ausgange dieses Jahrhunderts, 
erzählt Bedat), haben sich in einem Kloster jenseits des Kanals 
beide Apostel einem kranken Knaben gezeigt. Dieser berichtete: 
Praeclari omnino habitus et vultus erant, beatissimi ac pulcherrimi, 
quales nunquam ante videram neque aliquos hominum tanti decoris 
ac venustatis esse posse credebam. Unus quidem attonsus erat ut 
Clericus, alius barbam habebat prolixam dicebantque quod unus 
eorum Petrus, alius vocaretur Paulus. 
Über das christliche Altertum fallt dieser Bericht schon hinaus; 
aber an der Schwelle des Mittelalters stehend ist er bedeutsam, 
nicht nur" weil aus ihm zu entnehmen ist, welches die allgemein 
verständlichen Hauptzüge der Aposteltypen waren: Petrus hat zu 
dem Attribute des ehrwürdigen alten Mannes das des Priesters 
bekommen, Paulus typisches Merkzeichen ist der Bart, der reich- 
lich lang herabwallende. Hierzu kommt die Thatsache, dafs die 
beiden Apostelköpfe in der Kirchengeschichte Englands eine be- 
sondere Rolle gespielt haben. Man berief sich für die radikale 
Tonsur, die wirkliche Kahlheit des Kopfes, auf Pauli Vorbild. 
Petrus ist Vertreter der römischen Kranztonsurs). Auch auf die 
weite Verbreitung der Typen im Abendlande läfst der Bericht, 
I) Harduin IV, p. 806. 
2) Acta Sanctorum zum 29. Juni (Iun. t. V, p. 463 sqq.). 
3) Ebenda Febr. t. I, p. 854. 861 u. in der poetischen Vita Amandi 
S0 auch Acta SS. Ord. Bened. saec. III, p. 713 sq. 
4) Hist. eccl. z. B. ed. Smith, Cantabr. 1722, p. 157 sq. 
5) Mabillon, Annales Ord. S. Bened. t. I, lib. I5, p. 471 sq.
        

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