Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622479
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Die 
Heidenapostels zur Rechten 
Stellung des 
Christi. 
grunde als Märtyrer und Vertreter der Heiligen bei der Defuncta, 
wie als Lehrautoritäten, dafs sie öfters das ganze Kollegium er- 
setzen. Dabei ist Petrus als Märtyrer wie als Lehrer, wie auch 
bisweilen als Hirt, Paulus, besonders deutlich im Oriente, als der 
Apostel zur) ägoygwiv dargestellv). Beide sind aber von einander 
untrennbar. Schon frühe bemächtigt sich die Kunst auch der histo- 
rischen Schilderung, namentlich die südfranzösische Schule, und sei 
zeigt die Bedeutung der Apostelfürsten, indem sie beiden, aber auch 
Petrus allein besondere Sarkophage und sogar statuarische Dar- 
I) Der gewöhnliche Platz des Heideuapostels ist auf der Rechten Christi. 
Aber wie die Sarkophage beweisen, giebt es auch Ausnahmen. Die Rechte gilt auch 
der Antike als Ehrenplatz, und man könnte für jene Regel als Grund anführen, 
dafs Paulus als der Apostel zur) iäoyjv angesehen wird. Die im Mittelalter ge- 
bräuchliche Bezeichnung des Paulus als Benjaminilen (z. B. zu Ps. LXVII, 28 ist 
im Psalter Chludoff bei Erwähnung des Benjamin der Apostel Paulus itn Brustbilde 
dargestellt, teils weil Paulus aus dem Geschlechte Benjamin stammt und als letzt- 
berufener, gleichsam auch als der jüngste der Apostel angesehen wird. Springer, 
Psalterillustrationen S. 257) war zwar auch den alten Kirchenvätern nicht fremd 
(August. enarr. in ps. LXVII; t. V p. 607) (vgl. Hieron. quaesst. hebr. in Genesin, 
ed. Vall. t. 1lI, p. 978). aber sie übersetzen den hebräischen Namen nicht, noch 
auch machen sie Schlufsfolgerungen daraus. Daher ist zur Erklärung des Platzes ftir 
die altchristliche Zeit der Name "Sohn der Rechten" nicht zu verwenden. Was 
man für wunderliche Detltungsversttche gemacht hat, die zum Teile jetzt noch 
wiederholt werden, mag die Inhaltsangabe des seltenen Schriftchens von Uucantitts, 
De sanctorttm apostolorum Petri et Pauli imaginibus (Romae 1573) beweisen. Petrus 
Damianus (ad Desiderium abbatem) hat die Frage, warum Paulus rechts stehe, 
schon aufgeworfen. Er beantwortet sie damit, dal's Benjamin-ftlitts dexterac ist. 
Mucantitts führt das als zweiten Grund an, nachdem er als ersten das hohe Alter 
Pauli angegeben hat. Dann 3. weil durch die Rechte die höheren, geistlichen Güter 
bezeichnet werden (Paulus wurde schon bei Lebzeiten in den Himmel entrückt), 
durch die Linke die zeitlichen, irdischen (nach Cant. Cantt. II, 6): so auch von 
Darniani, Innocenz III. sermo de evangelistis, und Durandus, Rationale VII, 24. 4. 
(Damianusz) Paulus als der Heidenapostel verdient gegenüber der zurücktretenden 
Synagoge den rechten Platz. 5. (Ders.;) das thätige Leben werde durch die Linke 
bezeichnet. 6. (Gregorius M. lib. II. super Ezech. hom. 18:) Petrus a Paulo mi- 
nore suo reprehenditur et reprehendi non dedignattir: qua in re factus est sequens 
minoris sui, etiam ut in hoc praeiret quatenus qui primuS erat in apostolatus culmiue, 
esset primus et in humilitate. 7. Bei klassischen Schriftstellern ist die rechte Seite 
die ausgezeichnete: wenn Petrus rechts steht, so ist sein Primat, wenn Paulus, seine 
Herkunft von Benjamin gemeint. 8. Die Gleichheit der Apostel ist dadurch betont.
        

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