Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622430
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Symbolische Andeutungen. 
Man hat in früherer Zeit, schon Anfang des fünften Jahrhun- 
derts, hauptsächlich aus künstlerischen Gründen, in einer Anzahk 
Aber ich vermag hier wie auf den Goldgläsern nirgends eine symbolische Hin- 
deutung auf die Apostel zu erblicken, auch nicht in jenen Darstellungen: Guter 
Hirte zwischen zwei Lämmern, vereinzelt Kreuz und Monogramm zwischen zwei 
Lämmern oder Tauben. Der gute Hirt zwischen zwei Schafen findet sich, beson- 
ders frühe, auch auf Sarkophagen häufig. Persönliche Deutung ist gefordert auf 
einem Sarkophagreste (Rom, 304, 2), wo zu einer Aposteltigur Schafe mit Kranz 
im Maule herantreten. Und auch auf einer vom Ideal-Symbolischen ins Geschicht- 
liche überlenkenden Scene: t. 304, 4, Ende IV. Jahrhunderts, sind die unter den 
zwölf Aposteln stehenden Schafe, deren eins von Christo geliebkost wird, die sym- 
bolische Darstellung der den Jüngern anempfohlenen Gemeinde. Der Sinn ist kein 
anderer, wenn die Mitte von dem Monogramme oder einmal von vier aufgeschla- 
genen Büchern eingenommen wird (t. 386, I), oder wenn unterhalb des um Christus 
thronenden Apostelkollegiums das erhöhte Lamm zwischen zwölf Lämmern steht, 
Dieses Sujet findet sich auch oft auf Mosaiken, nur ist hier ebenfalls die typische 
Zwölfzahl bisweilen reduziert, hier noch deutlicher gemacht durch die Andeutung 
der beiden Städte Jerusalem und Bethlehem, aus welchen die Schafe herauskommen. 
Jesus, der Lehrer in den Quellen seiner Evangelien für seine Gemeinde  das ist 
der Gedanke. Bisweilen mag man einzelne bestimmte Persönlichkeiten angedeutet 
haben: t. 401, I2 steht über einem Lamme IOHANNIS EVANG, aber die direkte 
Beziehung der Lämmer auf die Apostel scheint durch die zuletzt erwähnten Dar- 
stellungen angezeigt zu sein: nichts lag näher, als die zwölf Schafe auf die über 
ihnen thronenden Apostel zu deuten. So wird es auch inschriftlich bestätigt: auf 
einem Basrelief von S. Marco in Venedig (nach de Rossi VII. Jahrh.) steht über 
den zwölf Lämmern OI AIIOCTOAOI (Garr. t. IV p. 35), wie auch in Ravenna, 
S. Apollinaris, bei der Transtiguration Christus und die drei Jünger als Lämmer 
dargestellt sind (t. 265). Wenn man der Auslegung Eines Autors der alten Kirche- 
vertrauen kann, so waren um das Jahr 400 auch Tauben ein Symbol für Apostel 
(Paulinus von Nola Ep. ad Severum XXXII, Migne t. LXI p. 366): Cuicoronae 
sunt corona Apostoli, Quorurn tigura est in columbarum choro. Das ist schwerlich 
auf die Bildwerke zu beziehen, die das Kreuz zwischen dem Apostelkollegium zeigen, 
auf dem Kreuzesarme sitzen einige nach dem Kranze pickende Tauben. W01 aber 
mag in einzelnen Fällen das Monogramm oder das Lamm zwischen Tauben auf 
Christus (423, I) und seine Apostel gedeutet worden zu sein. Ein Beweis für solche 
Auslegungen sind Beispiele, wie die Ampollina aus Rom t. 460, 1-4: in der Mitte- 
Christus zwischen vier jüngern, darüber Kreuz zwischen vier Tauben, darunter Lamm.- 
zwischen vier Lämmern. 
Namentlich auf spätravennatischen Sarkophagen ist das Ornament reich ver- 
treten. Aber entsprechend dem Kreuze zwischen Kreuzen, dem Monogramme 
zwischen Leuchtern, zwischen Pfauen (t. 337; 346; 389) mufs auch das Monogramm 
zwischen Ltinnnern vorwiegend dekorativ gedeutet werden. Dafs bisweilen auch
        

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