Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622412
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Mailänder 
Elfenbeinschnitzschule. 
schaft. Auf den ersteren sind die Jünger nur als Begleitfiguren 
verwendet; hier sind sie unbärtig, ebenso in Mailand, wo sie regel- 
mäfsig diese Rolle spielen. Auf T, 450 haben sogar alle Apostel 
bei andern Scenen, selbst Petrus bei der Fufswaschung, den unbär- 
tigen Typus; einmal sind zwei, das andere Mal nur einer bärtig. 
Das läfst deutlich auf ein schematisches Kopieren schliefsen und 
diese Vermutung wird zur Gewifsheit, wenn man auf t. 454f45 5 
die den Evangelistensymbolen entsprechenden Porträtmedaillons 
der Evangelisten in uniformer Maske dargestellt sieht. Die Arbeit 
auf den Tafeln des Britischen Museums ist selbständiger: hier sind 
die Apostel, soweit sie vorkommen, mit Ausnahme von Johannes 
und Judas bärtig, auch Thomas, Petrus hebt sich nicht über die 
andern heraus. Auch in der Wahl der Scenen ist der Künstler 
selbständig verfahren: das bewachte Grab; Christi Erscheinung 
vor Thomas und noch drei Jüngern; Christus gekreuzigt, unterm 
Kreuze Maria und Johannes, zur Seite Judas erhenkt am Baume; 
Händewaschung und daneben Petrus mit der Magd. Die Neben- 
scenen auf den beiden letzteren Tafeln weisen auf die Analogieen 
im benachbarten Brescia. Weniger, weil später, fallen ähnliche 
Scenen auf dem Mailänder Diptychon auf (t. 450): der eine Deckel 
ist ganz Passionsscenen, darunter dem Abendmahle gewidmet, der 
andere den Vorgängen in der Geschichte des Auferstandenen. Dabei 
hat man das Plenum stark betont. 
Deutlich auf Sarkophagmotive weist auch der Elfenbeindeckel 
von Murano (VI. Jahrhundert) I), aber er hat bei der Hauptscene: 
Christus thronend als Lehrer zwischen Petrus und Paulus, darüber 
nicht der scharfen Hervorhebung der beiden Apostelköpfe vergessen ; 
wie in Brescia trägt Petrus längeren runden Vollbart, aber er ist 
kahlköpfig, wie auf den ravennatischen Mosaiken. Ravenna hat 
auch, wie die Abhängigkeit einer relativ grofsen Zahl von Kunst- 
werken beweist, von allen oberitalischen Städten im V I. Jahrhun- 
derte am mächtigsten in der Elfenbeinschnitzerei gewirkt. Eine 
ältere Gruppe, in das Ende des VI. Jahrhunderts fallend, ravenna- 
tischer Kunst bildet die Kathedra Maximianiz), das Elfenbein von
        

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