Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622209
Mailan d. 
127 
Der künstlerischen Subjektivität ist hier grofser Spielraum gelassen. 
Namentlich war in der bischöflichen Hauskapelle ein Künstler thätig, 
welcher sich an die in Ravenna vorhandenen Traditionen nicht hielt, 
wahrscheinlich ist er von auswärts gekommen. Dafür sind auch 
seine Schöpfungen von der Folgezeit wenig oder gar nicht als 
Vorbilder für die Aposteltypen gebraucht worden. Neben Petrus 
und Paulus sind doch feste Typen in Ravenna für Andreas, Johannes, 
Thomas und Judas vorhanden. Das Bestreben zu individualisieren 
hat wenigstens hier eine entscheidende Charakterisierung zur Folge 
gehabt.  
Neben Ravenna kommt für Oberitalien nur noch das Mosaik 
in S. Aquilino (S. Lorenzo), Mailand, in Betracht. Es ist um die 
Wende des V. zum VI. Jahrhundert geschaffen; aber man merkt 
hier, wie in der Form so in der Idee auf Vorbilder vom Anfange 
des fünften Jahrhunderts zurückgegriffen wird. Eine magistrale 
Scene ist dargestellt; Christus inmitten seiner zwölf Apostel. 
Petrus und Paulus sind erkenntlich, aber nicht scharf typisch charak- 
terisiert. Der erstere ist noch im mittleren pAlter, Paulus trägt 
kurzes, aber volles Haar. Sonst fehlt eine Individualisierung. Das 
Mosaik vom Sinai (in S. Catharinay) kann für die einzelnen Typen 
nichts gelten, weil absolut nichts mehr erkennbar ist. Mit den 
Bartholomäus, mit stattlichem Vollbarte im Baptisterium der Orthodoxen, 
leichtbärtig in S. Crisologo, trägt in S. Vitale jugendlich kräftigen Typus mit 
schwarzem, unten geteiltem Vollbarte (jugendlich unbiirtig in S. Agatha). Judas 
jacobi, nicht jung, mit Bart geschmückt (Eccl. Urs.), trägt als Thaddäus mittleren 
Alterstypus mit nicht grossem Vollbarte (S. Chrysologus), ist als Thadclätis in S. 
Vitale älter mit langem, starkeln dunklen Barte und trägt im Bapt. der Arianer alte 
Züge, kurzen Bart, weifses Haar. (Bärtig und mit kahlem Vorderkopfe in S. Agatha.) 
Simon Cananeus, jugendlich im Bapt. der Orthodoxen, langbiirtig und älter 
in S. Crisologo, ist in S. Vitale wie in S. Maria in Cosmedin durchaus jung, un- 
bärtig (in S. Agatha bärtig), 
Jakobus Alphäl hat in der Eccl. Ursiana leichten Backenbart, nicht scharf 
ausgeprägt, aber doch vorhanden ist der Bart in S. Chrysologus, aber er ist so be- 
zeichnend wieder in S. Vitale und in S. Maria in Cosmedin (jugendlich, bartlos in 
S. Agatha). 
Garr. 
268.
        

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