Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621910
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Petri. 
Verleugnung 
genommen, einen hervorragenden Platz ein. Das wird nicht nur durch 
die grofse Häufigkeit der Beispiele bewiesen (auf den Sarkophagen 
über 40mal), sondern auch durch die Anbringung an hervorragender 
Stelle 1). Die Darstellung ist sich von Anfang an wesentlich gleich 
innerlich treibende Motiv war hierbei ebenfalls der Gedanke der Befreiung durch 
den mächtigen Herrn. Als Seitenstück findet sich die Ergreifung Moses bisweilen 
zur Orantin, die zwischen zwei Personen steht, besonders aber zu der von den zwei 
Ältesten verfolgten Susanna (364, 2; 379, 4, vgl. 377, 4; 378, 1. 2. 3). Nimmt 
man hinzu, dafs sie oft neben Isaaks Opferung und neben Daniel in der Löwen- 
grube vorkommt, so wird es gewifs, dafs die Bitten um Befreiung hier eine 
Illustration gefunden haben, welche so beliebt war, dafs auf einigen Sarkophagen 
die Künstler sich einen Pleonasmus zu Schulden kommen liefsen, indem sie neben 
den zu einer Scene vereinigten beiden Darstellungen noch besonders die Ergreifung 
von Moses verkörperten (378, 2; 379, 3; 380, 2). Auch hier wieder läfst sich diese 
Beobachtung nur für südfranzösische Sarkophage anstellen, wobei übrigens wiederum 
zur Erklärung das Heranziehen verschiedener Vorlagen angenommen werden inufs. 
Man mag die Benutzung von Vorbildern auch bei jenen Sarkophagen anzunehmen 
haben, die durch Verbindung der Verleugnung mit Quellwunder und Ergreifung für 
die Deutung auf Petrus zu sprechen scheinen. Gewifs ist, dafs man den Apostel 
nicht ohne weiteres ausschliefsen darf, wie ja einige Beispiele direkt auf ihn deuten. 
Aber die Prüfung der Bildwerke zeigt, dafs in der Hauptsache Petrus hierbei aus- 
zuschliefsen ist. Eine etwaige Verwandtschaft zwischen den Darstellungen seiner 
Gefangennahme und der Ergreifung von Moses erklärt sich leicht durch dieselbe 
Idee, welche beiden Scenen zu Grunde liegt und durch die den Künstler bei der 
Ausführung eines derartigen Vorwurfes sich von selbst ergebenden formalen Rück- 
sichten. Eine unbefangene Exegese kann auch ohne weiteres die etwa hier sich 
ergebenden Wunderlichkeiten beseitigen, so, wenn Garrucci auf tav. 307, 1 die zu 
Füfsen des davongeführten Moses als Leute bezeichnet, welche Petrus ihre Verehrung 
darbringen. Es sind nach Kleidung und Ausdruck dürstende Juden, die von Moses 
Rettung erfiehen. 
I) Auf einem römischen Sarkophage aus der besten Zeit (t. 316, 4) ist es die 
einzige Scene. Auf mehreren anderen römischen ist sie in die Mitte gerückt (317, 1; 
318, 1, 4; 319, 4; 320, 1), ebenso auf französischen (319, 1. 2; 317, z); gewiss 
nicht ohne durch das Bestreben beeinfiufst zu sein, die Gestalt Iesu als des mit er- 
hobener Hand zu dem Apostel sprechenden und durch diese lebhafte Geste sich vor 
den andern Darstellungen auszeichnenden zur Mittelngur der Bildwand zu machen. 
Die einzelnen Figuren werden durch die Säulengliederungen isoliert; so kommt bis- 
weilen ein ceremonieller Zug in die Handlung; der Hahn erscheint darum fast als 
Attribut (t. 402, 2). Künstlerische Gründe veranlassen öfters zum Abschlufs oder 
als Pendant zu Petrus besondere Apostelfiguren (317, 2; 317, 1). (vgl. 319, 2; 
364, I; 376, 4).
        

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