Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621884
Die Virga bei 
und Petrus. 
Moses 
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rück, so hat doch Petrus, wie die evangelischen 
Schriften das meiste aus dieses Apostels Leben 
und apostolischen 
erzählen, auch in 
einander, öfters die Verleugnung über den beiden andern. Noch auffälliger ist, dal's 
Petrus  wie auf der Berliner Elfenbeinpyxis im Kreise der Apostel  bisweilen 
bei der Verleugnung die Virga trägt (Rom: 316, 4; 365, 2; 367, 2; 318, I) (Nar- 
bonne 318, 5). (Gerona, S.Felice 318, 4; 313, I). Auf dem südfranzösischen 
scheint die Virga gar neben dem l-Iahne das Attribut des Apostelfiirsten geworden 
zu sein. Denn t. 318, 5 zeigt die Hauptbilddächc Christus mit sechs Aposteln, vOn 
denen fünf Rollen in der Hand und Volumina zu Fiifsen stehen haben; Petrus, zur 
Rechten Christi, hat in der Linken die Virga und ist aufserdem durch den Hahn 
gekennzeichnet, welcher sich auf dem zwischen ihm und Christus befindlichen Baume 
zeigt. Die Virga kann auf diesem Monumente das Produkt späterer Restauration 
sein; denn es ist nicht wahrscheinlich, dafs auf diesem Kunstwerke, auf dem so 
vieles zertrümmert ist und gerade die Extremitäten abgebrochen sind, sich ein so 
exponierter Teil, wie die Hund mit dem Stabe erhalten haben sollte. Das ist mn 
so wahrscheinlicher, als in der oberen Bildwand der Künstler bei der Gefangen- 
nehmung die Hauptperson mit der Rolle, nicht mit dem Stabe ausgestattet hat. 
War der Stab im Sinne des Künstlers Attribut Petri, so mufste er dem Apostel auch 
in der Gefangennehmung gegeben werden. Wenn aber Moses hier dargestellt sein 
soll, wie unverständlich wäre es gewesen, wenn er von der allgemein üblichen Tra- 
dition: Moses mit dem Stabe  abging und ihm die Rolle, Petrus den Stab gab! 
Die andern Beispiele lassen sich nicht beseitigen. Man bedenke aber, dafs mit Aus- 
nahme der Berliner Elfenbeinpyxis der Stab sich nur bei der Verleugnung findet, 
gewöhnlich neben Gefangenschaftsscenen, welche zum Teil auf Petrus zu deuten 
sind, zum Teil aber nur durch formale Übereinstimmung daran erinnern. Es ist des- 
halb nicht unmöglich, dafs bei der Verbildlichung der Voraussage Christi an Petrus 
zugleich an Petrus' unmittelbar dabei stehendes Wort (Luk. XXII, 32): Herr, ich 
bin bereit, mit Dir in Gefängnis und Tod zu gehen, durch das auf die direkte Be- 
teiligung bei der Gefangennahme Iesu weisende Instrument des Stabes gemahnt 
werden sollte. Es scheint mir aber auch nicht unwahrscheinlich, dafs hier der 
l-Iirtenstab gemeint ist. Die Empfehlung der Herde an Petrus ist als Gegenstück 
zu der Verleugnung in dem biblischen Berichte schon dargestellt. Der Stab ist aber 
auf der Elfenbeinbüchse im Berliner Museum offenbar als das Attribut Petri auf- 
gefafst, wie das Buch bei Paulus. Das stimmt mit den Schriftquellen: Petrus vor- 
wiegend der Hirt, Paulus der Prediger. Und auch die Bilder des guten Hirten mit 
dem Stabe, Darstellungen wie t. 304, 4: die Empfehlung der Herde an die Apostel, 
wo der gute Hirte mit dem Stabe in der Mitte steht, Petrus ihm am nächsten, 
unterstützen diese Deutung. Doch kommt die Verleugnungsscene mit dem Stabe 
neben der häufigen Gefangennahme M0ses' verhältnismäßig zu selten vor, als dafs 
man für diese daraus Schlüsse ziehen könnte. Wir haben um so weniger Grund 
dazu, als die Übereinstimmung zwischen den Köpfen sich hierbei nicht erweisen 
läfst. T. 313, 4 kann nicht in Betracht kommen, weil hier der Kopf des Wunder-
        

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