Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621877
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Ergreifung von 
Moses. 
gar 
Tritt 
nicht 
er in den Passionsscenen vor seinem grofsen Mitapostel 
hervor, ja in mancher Beziehung sogar hinter ihm zu- 
zimal, sonst nur 5mal, aufserdem noch auf römischen 2mal getrennt von dieser, 
Imal südfranz., und sich entsprechend zmal auf rönr-ital. Sarkophagen. 
Bezeichnend ist, dafs die trinkenden, gierig nach dem Wasser haschenden 
Personen immer als Juden charakterisiert sind: geschürztes Unterkleid, Chlamys und 
dazu, soweit erkenntlich, Beinkleider und Knöchelschuhe, die offen sind und durch 
Bänder gebunden werden, vor allem das cylindrische Barett. Diese Tracht ist in 
Rom, in Südfrankreich, wie in Spanien üblich. Die Ausnahmen sind ganz ver- 
schwindend. Das Barett fehlt dreimal (ital. 398, Io; südfranz. 398, 9; 403, 4). 
Auf zwei frühen Sarkoph. (Rom und Arles) kommt dazu noch Ersatz der Chlamys 
durch die Penula und NVegfall der Schuhe. Dem entspricht, dafs die Tracht der 
Häscher bei der Gefangennehmung mit drei Ausnahmen überall dieselbe ist; nur 
zwei frühe römische und ein südfranz. Monument weichen ab: t. 377, I (Wegen 
Technik und der Kürbisfrtichte bei jonas noch ins IV. jahrh. zu setzen) und t. 307, I 
(auf dem die Trinkenden auch keine charakteristische Tracht haben; Ende des 
IV. ]ahrh.), wo die Häscher das eine Mal durch gar nichts ausgezeichnet sind, das 
andere Mal (307) kurz gegürtet sind, Penula und Stiefeln tragen. 
Die unmittelbare Verbindung der beiden Scenen ist" so klar ersichtlich, dafs 
man zu dem Urteile gezwungen wird, dafs sie auch innerlich zusammenhängen. 
Vorgänge aus der Geschichte eines Mannes sind. Hierfür spricht vor allem die 
sich namentlich auf südfranzösischen Denkmälern nicht selten wiederholende Ver- 
einigung der beiden Erzählungen zu einer Scene, indem Moses, während er das 
Quellenwunder verrichtet, schon von den als Juden charakterisierten Männern ergriffen 
wird. Ein weiteres Beweismoment ist aus der durchweg übereinstimmenden Tracht 
der Häscher und der Trinker zu entnehmen; mit verschwindenden Ausnahmen sind 
sie als Juden gekennzeichnet. Hierzu kommt, dal's die Hauptperson in beiden Scenen 
durchweg gleichgestaltet ist, in den meisten Fällen mit gewelltem, nicht zu langem 
Barte, nicht zu reichem Haare, mit Tunika und Pallium, auf späteren Beispielen 
etlichemal mit kahlem Vorderkopfe, überhaupt entsprechend dem üblichen bärtigen 
Typus. Auch die Attribute kehren übereinstimmend wieder; weniger die Rolle, die 
nur einigemal bei der Gefangennchmung vorkommt, während sie sich öfter auf den 
Darstellungen des Quellwunders findet, als vielmehr der Stab, welcher regelmäfsig 
verwendet bei dem Schlagen an den Fels auch Irmal in der Hand der gefangen- 
genommenen Person zu erblicken ist. 
Die Frage ist nun, ob Moses oder Petrus hier dargestellt sind. Die meisten 
der katholischen Ausleger treten mit aller Kraft für den letzteren ein, sowohl beim 
Quellwunder als bei der Gefangennehmung. Es gilt an dieser Stelle, lediglich die 
Sarkophagmonumente zur Beantwortung heranzuziehen. In gewissem Grade auffällig 
ist die keineswegs vereinzelt dastehende Verbindung der beiden Scenen mit der Ver-' 
leugnung Petri: einmal (t. 380, 3) in Südfrankreich, in Rom in bester Zeit viermal, 
weiter in Pisa; noch häufiger stehen die Scenen in weniger enger Verbindung neben-
        

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