Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621849
Darstellungen. 
Römische 
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schon bestimmter angedeutet: die Hände sind ihm auf den Rücken 
gebunden; er neigt das Haupt, wie um den Todesstreich zu em- 
pfangen, vorauf schreitet ein Centurio mit dem Schwerte an der 
Seitel). Wie auch auf allen späteren Beispielen altchristlicher 
Provenienz ist eine direkte Darstellung der Todesart des Ersten 
unter den Jünger-n aus Scheu vor der Verbildlichung des Kreuzes- 
todes unterblieben. Während Petrus" Gefangennahme als direktes 
Seitenstück zu Christi Ergreifung und neben Isaaks Opferung ge- 
stellt ist, entspricht Paulus Passion den Leiden Jobs und steht 
neben Daniel in der Löwengrube. Es ist also eine Verwandtschaft 
des Stoff kreises auf den Denkmälern mit den alten Sterbegebeten 
auch hier wieder ersichtlich. Beide Martyrien kommen vereinigt 
und in gleicher Art dargestellt auf dem um die Wende des IV. 
zum V. Jahrh. entstandenen Sarkophage aus der Konfession des 
h. Paulus (t. 350, 2) und auf dem Mailänder (t. 353, 4), aber hier 
ist der Gedanke viel schärfer ausgesprochen. Der Häscher zieht 
das Schwert, um Paulus den Todesstreich zu versetzen, also die 
wirkliche Hinrichtung; ebenso t. 348, I. Diese spätere Zeit schil- 
dert auch Petrus" Passion viel realistischer. Seine gewaltsame 
Fortführung ist wahrscheinlich auf dem Sarkophage aus dem 
Coemeterium Vaticanum (t. 33I, 2) zu erkennen. Dafür spricht, 
dafs die Scene sich auf derselben Seite abspielt, auf der Christus 
in der Darstellung daneben das Kreuz hält. Hier, wie auch 
t. 33 5, 3, steht sein Martyrium als Gegenstück zu Christi 
Gefangennehmung. Auf dem letzteren Monumente wird dem 
Apostel noch das Martyriumsinstrument vorangetragen, also auch 
hier eine Steigerung in der Darstellung, der direkte Hinweis auf 
den Tod. 
Dies sind alle Monumente, welche uns Rom gegenwärtig noch 
bietet. Es läfst sich in Südfrankreich die gleiche Entwicklung von 
der nur andeutenden idealen Auffassung zur realistischen Wieder- 
I) Es stimmt also diese Darstellung mit der Schilderung der Passio Pauli in 
den apokryphen Quellen. Hier wird seine Fesselung öfters nachdrücklich erwähnt. 
Zwei werden gesandt, ihn zu töten, einer davon ist ein Centurio. IIaülo; ugoäruvsv 
161i Igrigqlow yqxän lalrfoag. 'O 63 rirrerülaäev uüroü thv xupahfv. (Vgl. Lipsius 
in Jahrbb. f. prot. Theol. 1886, I p. x06.)
        

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