Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621836
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Petrus. 
und 
Die Passion von Paulus 
den von ihr sonst stehen gelassenen Genien erlaubte. Auch der klas- 
sisch-heidnischen Sitte, bisweilen die Sarkophage mit grofsen mensch- 
lichen Köpfen abzuschliefsen, sind die christlichen Künstler gefolgt; 
Während sie in der Regel die heidnischen Muster einfach beibe- 
hielten (t. 383, 4; 384, 4; 385, 2), ist anderwärts auch hier ein 
spezifisch christlicher Ersatz eingetreten, indem der Sarkophag von 
Arles t. 384, 2 an den Enden der Reliefwand je eine Büste eines 
bärtigen Apostels zeigt. Ich wage hier nicht zu entscheiden, 0b 
die beiden Apostelfürsten gemeint sind. Deutlicher, weil. charakte- 
ristischer sind die Köpfe, welche die gleiche Funktion haben, auf 
dem römischen Sarkophage t. 404, 3 (V. ]ahrh.). Sie sind so wenig 
allgemein gehalten und dabei voneinander so verschieden, den 
Typen so ähnlich, dal's man sie gar wohl als Darstellungen von 
Petrus und Paulus ansehen kann.   
NVie in den magistralen Scenen die beiden Apostelfürsten als 
die Hauptvertreter der von Christus gebrachten Lehre immer zu- 
sammengestellt werden, so ist auch bei der Wiedergabe ihrer 
Martyrien das Bestreben ersichtlich, die beiden Hauptmärtyrer, die 
grofsen Vorbilder für das Leiden und für Geduld und Glauben im 
Leiden, diese Typen für Befreiung aus Todesnot, wenn auch nicht 
auf einem Bilde zu vereinigen, so doch die Schilderungen möglichst 
nahe aneinander zu rücken oder in augenfällige Korresponsion zu 
stellen. Die uns erhaltenen Beispiele, welche Gefangennahme und 
Ende der beiden Jünger schildern, verteilen sich auf Rom und Süd- 
frankreich, mit einer Ausnahme, welche die italienische Provinzial- 
kunst in einem Mailänder Sarkophage darbietet. Sie finden sich 
schon frühe, von der Mitte des vierten Jahrhunderts an, verlieren 
sich aber noch vor dem Ende des fünften; die südfranzösische 
Plastik hat überhaupt nicht lange geblüht; aber auch auf spät- 
römischen Monumenten findet sich kein Beispiel mehr. Das späteste 
ist das auf dem Sarkophage von Mailand (t. 353, 4), welches 
übrigens der in Rom und Südfrankreich gebräuchlichen Weise sich 
durchaus anschliefst. Es ist also die Zeit, in der sich das Fest zu 
Ehren der grofsen Apostel durchsetzte und die Periode, in der es 
seine höchste Bedeutung erlangte. 
Der Sarkophag des Junius Bassus schildert die Gefangenführung 
beider Apostel durch je zwei Häscher, Paulus Martyrium ist aber
        

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