Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Darstellung der Apostel in der altchristlichen Kunst
Person:
Ficker, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620628
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1621826
Verwendung der Apostelfürsten. 
Dekorative 
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Es sind dies mit Ausnahme der historischen Scenen die Dar- 
stellungen, welche Paulus und Petrus gemeinsam vor Augen bringen. 
Der Vollständigkeit wegen sei eine Abbildung erwähnt, welche Ädie 
Apostelfürsten dekorativ verwertet: auf dem Sarkophage des Vic- 
torinus in S. Vittorino (Amiternumy) ist das mit einer Ansa auf 
jeder Seite versehene Täfelchen zwischen die beiden Apostel ge- 
stellt, ähnlich wie auf dem span. Sarkophage t. 339, 3 zwei Apostel, 
leider sind die Köpfe abbozziert, die imago clypeata halten. S0 
wurde die heidnische Dekoration, welche sich aufserordentlich lange 
erhielt, durch eine spezifisch christliche Darstellung ersetzt, während 
gewöhnlich die christliche Kunst sich höchstens leichte Änderungen an 
sonst noch auf einem französischen Skph. einmal. Allerdings kommen die zwei 
Palmen, zweimal sogar vier auch ohne Christus und die beiden Apostel vor, auch 
da, wo sich schwer feststellen läfst, wie weit die Symbolik geht und wie weit wir 
die Bildwerke als rein dekorativ nehmen dürfen, so zu Seiten des Kreuzes, neben 
Lämmern und Pfauen, die gewöhnlich das Kreuz oder das Monogramm zwischen 
sich haben, einmal auch eine Palme zwischen zwei Lämmern; aber ist schon hierbei 
in den meisten Fällen eine Beziehung auf die beiden Apostel nicht ausgeschlossen, 
so wird andrerseits eine bestimmte Bedeutung der Palme und eine besondere Geltung 
für die Apostelftirsten nicht unwahrscheinlich, weil die Palme sonst gar nicht auf 
Sarkophagen vorkommt, soviel auch sonst Baumwerk verwendet wird. Nur wenige 
Ausnahmen lassen sich feststellen: nur eine Palme kommt vor, und zwar bei Paulus, 
dreimal (331, i; 324, l; 3301 S); t- 334, 3, wo eine Palme sich nur bei Petrus 
findet, kann nicht in Betracht kommen, weil der Sarkophag zu sehr verstümmelt 
ist. Die Bedeutung dieses Symboles ergiebt sich unschwer, wenn man bedenkt, dafs 
die Apostelfürsten als die Hauptmärtyrer gefeiert, und als solche auch in Italien und 
Südfrankreich bildlich dargestellt wurden. 
Damit ist vom Künstler ein speziell auf Paulus bezügliches Symbol, der Phönix, 
in Verbindung gebracht. Er läfst sich im Sammelwerke von Garrucci auf Sarko- 
phagen , römischen wie französischen, noch sechsmal erkennen. Einigemal ist die 
Palme bei Paulus, wie es scheint, nur dazu da, um den Vogel zu tragen. Dieses 
Symbol, das augenscheinlich betont worden ist und sich nicht als blofses Dekorations- 
motiv erklären und damit beseitigen läfst, beschränkt sich aber in der Zeit. Es 
kommt ziemlich frühe vor (t. 333, I), geht bis in das V. jahrh. hinein, Endet sich 
aber später nicht mehr; in Ravenna existiert es nicht. Durchweg kann man es bei 
Paulus beobachten, wie er von Christus den Predigtauftrag erhält; daher ist die 
nähere Charakterisierung dieses Apostels durch das Symbol als des Hauptpredigers 
der Unsterblichkeit nicht auszuschließen. 
I) Garr. V, 162. Der Skph. ist publ. bei Marangoni, Acta S. Victorini, 
Romae 1740.
        

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