Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der Malerzeche in Prag
Person:
Pangerl, Matthias Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1402453
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NOTIZEN ZUR GESCHICHTE DER MALEREI IN BÖHMEN. 
Composition. Die lieblichen Köpfe der Marien und des Engels 
in der zuletzt erwähnten Scene stimmen mit dem Besten auf 
den Emausbildern, aber die Zeichnung ist oft wieder recht 
schwach. Die Art z. B., wie der Engel auf dem Grabe sitzt, 
ist kümtnerlich, das Verdecken seiner Füsse durch ein lang- 
zipHiges Gewand ist ein bedenklicher Nothbehelf. Beachtens- 
werth ist dann namentlich noch das Architektonische auf diesen 
Stil der Bilder- 
handschriften. 
Bildern, das stets in sorgsamer Ausführung sich vom Goldgrund 
abhebt. Es ist eine Steinarchitektur in gothischen Formen, aber 
mit geradem Gebälk oder mit Rundbögen, unter Vermeidung 
des Spitzbogens. Aehnliche Formen findet man überwiegend in 
den erwähnten Bilderhandschriften, sie kommen aber auch 
ziemlich entsprechend in der Arcatur unter den rheinischen 
Bildern der Marienkirche auf Karlstein vor. Endlich zeigen auch 
die Emausbilder Verwandtes. Aber auf diesen ist gerade in einer 
der besterhaltenen und edelsten Compositionen, dem Kaiser Au- 
gustus mit der Sibylle, eine gothische Kirche in ganz correcten 
Formen, dem Dom zu Prag ziemlich entsprechend, dargestellt, 
wie sie niemals ein italienischer, sondern nur ein deutscher oder 
französischer Künstler gezeichnet haben könnte. 
Wir haben jetzt noch den Charakter der damaligen Minia- 
turen zu prüfen, können da aber kürzer sein, weil der früher 
erwähnte Aufsatz im Repertorium alles Weitere enthält. Da 
ist ausgeführt worden, dass die wichtigsten Handschriften dieser 
Epoche, grösstentheils für Persönlichkeiten des hohen Klerus 
angefertigt, besonders diejenigen Codices, welche den gefälschten 
Namen Sbisco de Trotina enthalten, in ihrer Illumination eini- 
gen Einfluss der französischen Schule aufweisen, die seit König 
Johann von Frankreich und seinen Söhnen, Karl V. und dem 
Herzog Jean de Berry, einen neuen glänzenden Aufschwung 
nahm. Damit soll keineswegs-gesagt werden, dass die Urheber 
dieser Miniaturen selbst Franzosen waren, sie können vielmehr 
auch nur eine künstlerische Schule in Frankreich durchgemacht 
oder von dorther ihre Vorbilder empfangen haben. Diese Hand- 
schriftenmalereien zeigen auch wieder ihre besonderen, vom 
französischen Geschmack abweichenden, dem deutschen Charakter 
entsprechenden Züge. Der Liber viaticus des Johannes von 
Neumark, das Mariale des Arnestus von Pardubitz, dessen Ora-
        

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