Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der Malerzeche in Prag
Person:
Pangerl, Matthias Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1402443
NOTIZEN ZUR GESCHICHTE DER MALEREI IN BÖHIKIEN. 
47 
schlitzt und nicht schief stehend, gegen die Nase convergirend, 
wie bei ihm, die Faltenwurfmotive sind frei von Kleinlichkeit 
und Ueberhäufung, aber nicht so schwer, nicht von so grossen 
Massen und Flächen wie bei Giotto. Eher könnte man eine 
Verwandtschaft mit dem etwas alterthümlichereil Stil, der mil- 
den Feierlichkeit, der zarten Empfindung der Sienesen annehmen. 
Einer der grössten Sieneser Maler, Simone Martini, hatte in 
den Jahren 1339-1344 zu Avignon im Dienste des päpstlichen 
Hofes gelebt. Hatte Karl lV., der sich um jene Zeit seinen 
ersten Domwerkmeister aus Avignon mitbrachte, vielleicht auch 
einen dort gebildeten, vom Einflusse des Sienesen berührten 
Maler angeworben? Das ist freilich nur eine Hypothese oder 
sogar nur eine angeregte Frage, für die wir keine weitere Be- 
gründuiug zu geben wissen. Nur das sei noch bemerkt, dass die 
Emaus-Wandbilder auch wieder manche Verwandtschaft mit 
den Arbeiten der besten damals für Böhmen gefertigten Bilder- 
handschriften zeigen und bei diesen werden wir sogleich fran- 
zösischen Einfluss kennen lernen. 
Mehr den Ernausbildern als denen der beiden anderen 
Schulen entspricht, unserer Ansicht zufolge, auch das Gemälde 
in der Altarnische der kleineren Katharinen-Capelle zu Karl-Krägägäiggfjffgft 
stein: die Madonna mit dem Kinde, der Petrus und Paulus zur 
Seite stehen, während unten, kleiner, Kaiser und Kaiserin 
knien. Eine Verwandtschaft mit den erwähnten Arbeiten ist 
endlich noch in verschiedenen Tafelbildern wahrzunehmen, be- Tafelbilder- 
sonders in einer Folge von neun Tafeln, welche in der Bilder- 
sammlung des Stiftes Hohenfurt bewahrt werden und auch für 
dieses Cistercienserkloster gemalt worden sind, denn auf der 
zweiten Tafel kniet ein Mitglied derjenigen Familie, welche 
Hohenfurt gegründet hat, ein Rosenberg, mit seinem Wappen 
und dem Kirchenmodell. Die Bilder stellen dar: die Verkündigung, 
Christi Geburt, die Anbetung der Könige, Christus am Oelberg, 
Christus am Kreuz, die Kreuzesabnahme, die Auferstehung, 
Christi Himmelfahrt, die Ausgiessung des heiligen Geistes. D88 
zweite, dritte und neunte Bild sind leider durch einen moder- 
nen Restaurator übermalt worden. Die Geburt Christi mit dem 
Bade des Kindes, der Engel und die drei Marien am Grabe 
auf dem Auferstehungsbilde gehören zu dem Schönsten in der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.