Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der Malerzeche in Prag
Person:
Pangerl, Matthias Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1402411
44 
NOTIZEN ZUR GESCHICHTE DER MALEREI IN BÖHMEN. 
den und Gewandung schlagend den Charakter der Prager Schule 
zeigen. Falls die "Junker von Prag" (vgl. Anm. 371) Stein- 
metzen waren, konnten sie kaum aus denselben Werkstätten 
wie die Maler hervorgegangen sein. Aber man darf annehmen, 
dass eine lebhafte Wechselwirkung zwischen der damaligen 
Malerei und der Bauhütte des Domes, in der sich seit dem Auf- 
treten des Meisters Peter von Gmünd eine grossartige plastische 
Schule entfaltete, stattfand, und dass gerade das Vorbild der 
Plastik für die grössere Strenge und Energie des Ausdrucks, die 
Neigung zum Individuellen bestimmend war, wie sie in der 
Schule des Meisters Dietrich auftritt. 
Rheinische Rich- 
rung. 
Neben dieser eigentlichen Prager Schule finden wir aber 
damals in Böhmen und besonders in Prag auch Werke ganz 
anderer Richtung. Zunächst eine deutsche Richtung, die mehr 
der Westdeutschen, rheinischen Malerei entspricht. Bilder dieser 
Art kommen in der Kirche Mariä Himmelfahrt zu Karlstein 
 vor, und es ist immerhin eine berechtigte Vermuthung, wenn 
N)C0IaSl:2i'Wurm_ man bei ihnen an Nicolaus Wurmser von Strassburg (vgLAnm. 
369) denkt. Es fehlt zwar an genauem historischen Anhalt, um 
diesem auch nur ein einziges Bild positiv zuschreiben zu können, 
aber da er 1359 und 1360 im Dienste des Kaisers war, da seine 
Malereien in den „l0ca et castra" urkundlich erwähnt werden, 
da er endlich einen Hof in der Nähe von Karlstein besass, ist 
wahrscheinlich, dass er gerade bei diesem Schlosse beschäftigt war. 
Da kommen nun gerade die Malereien in den unteren, 
Karlstein schon 1357 geweihten Capellen in Frage. Einige Bilder, die 
Marienkirche. späteren Ursprungs sind und der Schule des Meisters Dietrich 
entsprechen, haben wir bereits ausgeschieden. Es bleiben übrig 
auf der einen Langseite und an dem anstossenden Theile der 
Schmalwand bis zum Altar die Darstellungen aus der Apoka- 
lypse, zahlreiche aneinander gereihte Einzelbilder über einer 
gemalten Arcatur mit ausgespannten Teppichen. Alle diese haben 
 sehr gelitten, sind stellenweise zerstört oder durch spätere 
Uebermalungen entstellt. Kenntlicher ist ein anderes Bild an 
der langen Wand gegenüber: der siebenköplige Drache und das 
geflügelte apokalyptischeWeib im Strahlenkranze, eineMadonnen- 
gestalt im weissen Kleide und blauem'Mantel, das mit rothem 
' Röckchen bekleidete Christuskind, welches nach ihrer Hand
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.