Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der Malerzeche in Prag
Person:
Pangerl, Matthias Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1402383
NOTIZEN ZUR GESCHICHTE DER MALEREI IN BÖHMEN. 
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grosse, aber nicht spitze Nasen mit breitem Rücken, auffallend 
starke Backenknochen, grosse ruhige Augen, besonders aber 
herabgezogene Mundwinkel, die dem Gesicht das Gepräge des 
Strengen, fast Schwerfälligen und des Feierlichen aufdrücken. 
Die Hände sind allerdings nicht sehr verstanden, aber wenig- 
stens voll, nicht mager und ohne die gezierten Motive, die man 
damals häufig findet. Die Modellirung ist wirkungsvoll bei 
feinen grauen Schatten im Fleischton, aber streift mitunter an 
das Verblasene. ln den Gewändern herrschen gebrochene Töne, 
die zu dem Fleischton und gemusterten Goldgrund glücklich 
gestimmt sind. Nicht ganz auf gleicher Höhe wie die Brustbil- 
der steht der Christus am Kreuz, jetzt in Wien. Das Gemälde 
stimmt freilich mit diesen Brustbildern überein, namentlich im 
Kopfe des Johannes, aber bei den ganzen Figuren fallen die 
sehr rohen, plumpen Füsse auf, bei dem Heiland tritt ein 
starker Naturalismus in der krampfhaften Krümmung der Ge- 
lenke hervor. Der Ausdruck des Schmerzes ist kraftvoll und 
ergreifend, ohne die weicheren, sentimentalen Züge der Rheini- 
schen Schule. 
Man hat den böhmisch-slavischen Gesichtstypus in den 
Köpfen wiedererkennen wollen, namentlich in der Bildung der 
Nase und in den breiten Backenknochen. Nur darf man daraus 
nicht folgern, dass der Meister wegen dieses besonderen Ge- 
sichtstypus eher Öechischen als deutschen Ursprungs gewesen 
sei, wie das sogar noch Schnaase that (VI, S. 4.39). Ist Meister 
Dietrich in der That der Urheber, so widerspricht dem allein 
schon sein deutscher Name. Aber Meister Dietrich gehört in 
dieser Periode des künstlerischen Umschwungs am Ausgange 
des Mittelalters zu denjenigen Künstlern, welche mit dem über- 
kommenen idealen Typus brechen und aus dem Charakter des 
Geschlechts, mit dem sie selbst leben, einen neuen Typus zu 
abstrahiren suchen, der bereits mehr dem Individuellen zu- 
strebt. Nähern seine Köpfe sich etwas dem slavischen Charakter, 
so kommt dies nicht daher, dass er selbst slavischer Abkunft 
war, sondern daher, dass er ein offenes Auge hatte und von 
slavischer Bevölkerung umgeben war. Auch diese neue Prager 
Schule, welche zur Zeit Karl's IV. einen ausgesprochenen und 
besonderen Charakter gewinnt, ist eine deutsche Schule und
        

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