Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der Malerzeche in Prag
Person:
Pangerl, Matthias Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1402244
NOTIZEN ZUR GESCHICHTE DER MALEREI IN BÖHMEN. 
tritt uns demnach jener ursprüngliche Geschmack der westeuro- 
päischen Völker entgegen, der von der antiken Tradition un- 
abhängig ist und der dann weiterhin in den Formen des roma- 
nischen Mittelalters neben den antiken Elementen kenntlich 
fortlebt.   
Dann allerdings kommt für die westeuropäische Kunst eine 
Zeit, in welcher gewisse Einflüsse der byzantinischen Kunst 
stattfanden, zwar kaum in der Architektur, die bereits auf einer 
Bahn unabhängiger Entwicklung war, Wohl aber in Plastik, 
Malerei, Kleinkunst. Auch diese Kunstzweige entwickeln sich 
in der Folge selbständig unter Anlehnung an die romanische 
Baukunst und dieser analog, aber an der Schwelle der romani- 
schen Periode sind doch bestimmte Einwirkungen von Byzanz 
hier nachweisbar. Diese sind aber zugleich scharf begrenzt, so- 
wohl was die Dauer ihrer activen Kraft, als auch was ihren 
Umfang und ihren Grad betrifft. Schnaase hat in dem Abschnitt 
über die „Byzantinische Frage" (Geschichte der bildenden 
Künste, IV) die Bedeutung dieses Einflusses treffend so charakteri- 
sirt: „Er besteht nirgends in einer völligen Unterwerfung, nir- 
gends in einer höheren, bleibend zu erstrebenden Schönheit, er 
wird nirgends mit Begeisterung aufgenommen, sondern überall 
nur als ein Hilfsmittel benützt, welches dem einheimischen 
Geiste diente und ihm eigene Arbeit ersetzte. Er erstreckte sich 
niemals auf das ganze Kunstgebiet, sondern immer nur auf ein- 
zelne Zweige und verschwindet, sobald die einheimische Kunst 
soweit gereift ist, um jene Hilfe zu entbehren. Das Bedürfniss, 
das ihn herbeizog, war zunächst ein technisches." 
Durch den Vollbesitz der Tradition und somit der Technik 
Byzantinische 
Frage. 
war eben die byzantinische Kunst jener der westlichen, ursprüng- 
lich barbarischenVölker überlegen, selbst zur Zeit, als die erstere 
sank und abstarb, die letztere ihre Fähigkeit zu selbständigem 
Streben schon gezeigt hatte. Die germanischen und romanischen 
Völker blickten trotz ihrer Trennung von Byzanz mit Respect 
auf die Erben des classischen Alterthums, das ihnen Autorität 
blieb. ln der karolingischen Epoche waren die classischen An- 
regungen nur aus Italien nach dem Norden gekommen. Aber 
während die antike Tradition in Italien seit dem Untergang der 
Ostgothen mehr und mehr der Verwilderung anheimgefallen war,
        

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