Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der Malerzeche in Prag
Person:
Pangerl, Matthias Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1402207
NOTIZEN ZUR GESCHICHTE DER MALEREI IN BÖHMEN. 
gilt von Waagen, Schnaase und besonders von Passavant. Letz- 
terer hat in dem ersten Bande der "Zeitschrift für christ- 
liche Archäologie und Kunst" (herausgegeben von Quast und 
Otte, 1856) eine umfangreiche Studie über die mittelalterliche 
Kunst in Böhmen und Mähren veröffentlicht, welche recht 
eigentlich die Summe jener falschen Vorstellungen enthält. Zwar 
kommt auch Passavant schliesslich zu dem Resultat, in der 
Baukunst habe sich seit den frühesten christlichen Zeiten bis 
in das sechzehnte Jahrhundert hauptsächlich der Einfluss von 
Deutschland geltend gemacht, auch hinsichtlich der Plastik gibt 
er nicht viel mehr zu, aber er kommt dann zu dem Schlüsse: 
nWahrhaft national erscheint in Böhmen dagegen die Maler- 
kunst vorn elften bis zum fünfzehnten Jahrhundert." Die Be- 
lege für die Existenz einer national-Eechischen Kunst findet er 
wesentlich in den Miniaturen, und hierin liess er sich nicht 
blos durch unrichtige Darstellung der Historiker, sondern auch 
durch eine Reihe von wirklichen Fälschungen täuschen. Es gab 
eine böhmische Malerei, später speciell eine Prager Schule, aber 
diese waren ausgesprochen deutschen Charakters, ebenso wie 
die Kunst in Böhmen überhaupt. 
Die Historiker, welche dem Eechischen Volke etwas ganz Fizcääililniisläselrlly- 
Besonderes, von Deutschland Unabhängiges, in der Kunst zu- Einflusses- 
eignen möchten, helfen sich dabei zunächst mit einer Fiction, 
derjenigen von der Existenz byzantinischer Kunst auf dem 
Boden Böhmens, von einem directen Zusammenhang Böhmens 
mit dem byzantinischen Kunstgebiet. Und doch war, wie sogar 
Palacky ausdrücklich hervorhebt, für Böhmen njede directe 
Verbindung mit Rom und Byzanz, den Ursitzen der Bildung 
und des Christenthums, durch die Magyaren abgeschnitten". 
Die Russen und die Südslaven hatten das Christenthum und 
damit auch die christliche Kunst von Byzanz her empfangen, die 
slavischen Bewohner Böhmens dagegen empfingen das Eine wie 
das Andere von Deutschland her. Die modernen Eechischen 
Historiker, welche hiergegen die Augen verschliessen, haben 
sich nicht klar gemacht, dass sie damit ihre Nation auf die 
Stufe solcher Völker herabdrängen, die ohne jeden thätigen An- 
theil an der mittelalterlichen Kunstentwicklung Europas gewesen 
sind. Diejenigen slavischen Völker, welche die byzantinische
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.