Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der Malerzeche in Prag
Person:
Pangerl, Matthias Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1403291
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ANMERKUNGEN. 
in der That völlig den Charakter der Prager Malersclaule vom Ende des vier- 
zehnten Jahrhunderts. Erst der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts gehören 
sodann die Nachrichten an, welche den "Junkern von Prag" eine Thatigkeit in 
Strassburg zuweisen. Der WienerWolfgang Lazius erwähnt sie in seinem Werke 
de migrationibus gentium (Basel 1557), aber nur vorübergehend, bei 
Gelegenheit eines Wappenstreites zwischen ihnen und dem elsässischen 
Geschlecht der Rappoltstein, der durch Kaiser Sigismunti zu Gunsten der 
Junker entschieden worden. Lazius nennt sie hier als Maler, weist ihnen 
aber trotzdem eine Baumeisterthätigkeit, nämlich an der Vollendung des 
Strassburger Münsterthurntes, zu. Spätere Schriftsteller haben diese Notiz 
des Lazius öfter reproducirt. ln Strassburg wurde aber schon 1565 eine 
Medaille auf den Münsterthurmbau und die „drei Junkherrn von Prag" 
geschlagen, und hier zuerst erscheinen sie, statt nur im Plural im. Allge- 
meinen, in der Dreizahl, ebenso wie die Panicz im Prager Malerbuch. 
Ungefähr um gleiche Zeit berichtet der berühmte Strassburger Ingenieur 
Daniel Specklin in seinen handschriftlichen Collectaneen (1870 mit der 
Strassburger Bibliothek verbrannt) über ihre Theilnahme an der Vollendung 
des Münsterthuriues, und erwähnt sie zugleich als Verfertiger eines be- 
rühmten plastischen Werkes im Münster, des 1404 gestifteten „traurigen 
Marienbildes". Aber in Strassburg hat sich bisher keine urkundliche Notiz 
über sie und ihre Theilnahme am Münsterbau ermitteln lassen. Keine ältere 
Quelle nennt ferner die Vornamen der Junker von Prag. Von Hause aus 
gehören Baumeister, Bauhandwerker, Steinmetzen einerseits, Maler und Bild- 
schnitzer andererseits ganz verschiedenen Handwerksgenossenschaften an. 
Näher wollen wir hier auf diese Frage nicht eingehen, da eine fleissige 
Behandlung derselben durch einen Schüler des Herausgebers, Herrn A. Ham- 
m e rsch la g, bevorsteht. 
372 Meister Kunz der Schnitzer (s. Anmerkung 177). 
373 S. Anmerkung 320.  
374 Johann der Klattauer oder von Klattau, einer südlich von Pilsen 
gegen Baiern zu gelegenen Stadt. [n unserer Quelle wird er sonst nirgends 
genannt; Z. dagegen haben einen Janek de Glathowia 1416 in der Neustadt 
(ll. 254, Nr. 1228 b) und Johannes de Glathovia 1424-1433 in der Altstadt 
(l. 34, Nr. 44.0; 25g, Nr. 440; 105, Nr. 360 d), welcher uns immer derselbe, 
dann aber auch mit obigem Jan Klatnwsky identisch zu sein scheint. Um 
Vermuthungen über sein etwaiges Handwerk aussprechen zu können, mangeln 
Anhaltspunkte; man wird sich jedoch hier wie in vielen ähnlichen anderen 
Fällen gegenwärtig halten müssen, dass wie unsere Zeche Goldschmiede, 
Rinkelmacher u. s. w. in ihrer Mitte gehabt hat, sie wohl auch Leute zu 
den ihrigen zahlen konnte, welche entweder nie ein Handwerk ausgeübt 
hatten oder zeitweilig wenigstens nicht ausübten. Vielleicht waren es Leute, 
„welche es Gott sei Dank nicht nöthig hatten", das was wir Privatiers, 
Rentiers, nennen. Andererseits wollten sie aber bei dem hochausgebildetelt 
Genossenschaftswesen der damaligen Zeit doch auch nicht einsam und alleine 
dastehen, sondern schlossen sich einer Zeche an, welche ihnen eben 
sympathisch war, sowie ja die Zünftc bei uns bis in die letzte Zeit Mit-
        

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