Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der Malerzeche in Prag
Person:
Pangerl, Matthias Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1403174
ANMERKUNGEN. 
299 Eine in diesem Buche oft genannte Persönlichkeit (s. 2, 4, 5, 6, 10), 
auch Laslaw geschrieben. Nach dem Namen zu urtheilen, slavischer Herkunft. 
21" Weil die Handwerksbezeichnung fehlt, so war er wahrscheinlich 
ein Maler. Auf dieses Gewerbe deutet auch der Umstand hin, dass dem 
vorhergehenden Namen ein "pictor" beigefügt ist, demnach es nicht noth- 
wendig schien, hier das Wort neuerdings zu wiederholen. Es ist übrigens 
auch nicht zu vergessen, dass die Namen in der Handschrift untereinander 
und nicht nebeneinander geschrieben sind. Bei Beantwortung der Frage 
aber, ob unser Ventrosus ein latinisirter "Dickbauch" oder "Brichaty" (auch 
Bi-uchatj) ist, wird zunächst daran zu erinnern sein, dass unser Malerbuch 
Eechische Namen nicht latinisirt. Folglich hätte der Mann Peter der Dick- 
bauch geheissen. Eine deutsche Familie Dickbauch ist aber zur Zeit 
unseres Petrus Ventrosus in der Prager Neustadt nachweisbar; 1378 bewohnte 
nämlich dort das Haus Nr. 700 ein Heinlinus (Heinrich) Ventrosus (Z. ll. 42). 
1392 erscheint dann ein Jessco (Johann) Ventrosus als Besitzer einer der 
Fleischbanke der Deutschen in der Altstadt Prag (Z. I. 155,  Wir 
werden also es aller Wahrscheinlichkeit nach hier mit einem deutschen 
Peter Dickbauch zu thun haben, während nicht ein einziger Umstand für 
einen äechischen Petr Bruchaty spricht. Peter der Dickbauch wird aber nur 
diesmal und dann nicht wieder genannt. Dass der Name Peter Brzuchaty 
nur durch einen modernen Fälscher in eine Bilderhandschrift der Capitels- 
bibliothek gekommen ist, haben wir oben Seite 34 und 35 erwähnt. 
2" Wie es scheint, noch von derselben Hand wieder durchgestrichen 
worden. Wird auch in 2 und g genannt  an letzterer Stelle ein "goltsmid". 
Wir sind aber der Meinung, dass er nicht weniger mit dem "magister 
Hanrich" in 8, ja auch mit dem „n1agister Hanrich Vmfarer" in 4, 5 und 6 
identisch ist. Der Goldschmied Heinrich Umfarer ist dann natürlich ein 
Deutscher gewesen. Seine Behausung in der Neustadt lag in der Gegend 
der Baarfüsser- oder Mariengasse, wo 1381-1382 ein „Heinczlinus goltslaher" 
und seine Gattin die „auripercustrix Katherina" behaust erscheinen; Z. Il. 
289-290. 
m Nach dem Beinamen zu urtheilen, werden wir in demselben einen 
Franzosen zu erkennen haben. Er erscheint auch in 2 genannt. Das 
Handwerk ist wohl nicht angegeben, allein doch kaum zu zweifeln, dass 
wir es da mit einem Goldschmied zu thun haben. Denn es geht ihm ja 
ein solcher vorher und das „dat aurum pro toto" in 2 weist ja wohl auch 
auf einen solchen hin. Anstatt des Geldbeitrages lieferte er vielleicht das 
Gold, welches die Zeche für die Wandelkerze u. s. w. bedurfte. Auch kann 
ein Goldschmied Namens Johann in der Zeit auf dem Hradschin Nr. 63 
wohnhaft nachgewiesen werden: 1373, Hanussii (öechische Koseform für 
Johann) aurifabri ClOmini imperatoris, Z. llI. 139. Dieser kaiserliche Hof- 
goldschmied ist wohl mit unserem Franzosen Jean eine und dieselbe Person. 
Allerdings können aus nicht viel späterer Zeit auch Maler des Namens 
Johann nachgewiesen werden (vergleiche Z. Register, Schlagwort Johannes 
pictor), worunter sogar 1382-1392 ein Johannes pictor regis Romanorum 
et Boemiae als Besitzer des Hauses Nr. 175 auf dem Hradschin (Z. III. 14.9),
        

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