Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Buch der Malerzeche in Prag
Person:
Pangerl, Matthias Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1403144
ANMERKUNGEN. 
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303 Aegidius fallt immer auf den t. September. 
W ln der Handschrift steht von diesem Namen nur Obiges und ist 
dann durch d der allgemeine Abkürzungsstrich gezogen. Riegger that daher 
an und für sich nicht wohl, Theodoricus zu lesen, weil der Name doch 
auch anders gelesen werden könnte, wenn nicht folgende bestimmte Nach- 
richten vorhanden wären. Nach Z. Ill. 172, l. Spalte, gab es nämlich auf 
dem Hradschin 1359 eine ndomus malcrii imperatoris Theodrici"; die be- 
stimmte Lage des Hauses hat jedoch Tomek nicht nachzuweisen vermocht. 
Dieser Theodorich oder in abgekürzter Form Dietrich ist also I-lofmaler 
Kaiser Karl's IV. gewesen. Im Hinblick auf gewisse hierländische Verhält- 
nisse wird es kaum ftberfiüssig sein, zu bemerken, dass der Name Dietrich 
ein deutscher, und dass Prag damals sozusagen eine ganz deutsche Stadt 
gewesen ist. Der l-lofmaler Dietrich war also ein Deutscher, und es wird 
die Behauptung, dass er mit dem magister Theod. des Malerbuches eine und 
dieselbe Person ist, kaum als gewagt bezeichnet werden können. Denn für 
dieselbe sprechen einmal die Gleichheit der beiden ersten Silben des Namens, 
dann das gleiche Handwerk. Denn wenn auch Theod. nicht ausdrücklich als 
Maler bezeichnet wird, so ist er doch kaum ein Anderes gewesen, weil sonst 
der Schreiber wie den anderen Namen, so auch diesem den l-Iandwerksnamen 
beigefügt haben würde. Es ist ein lrrthum, wenn Wocel aus den Worten 
"primus magister" hat herauslesen wollen, er sei das Haupt der böhmischen 
Schule gewesen. Ein grosser Theil der neueren Kunstliteratur ist dieser 
falschen Ansicht gefolgt, und sogar noch Schnaase (Geschichte der bildenden 
Künste, VI, Seite 438) hat in dem „primus magister" eine "ehrende Be- 
zeichnung" erblickt. Das "primus" sagt nichts mehr und nichts weniger, als 
dass Meister Dietrich der erste gewesen, welcher seinen Groschen erlegt 
hat und das Wort magistcr gehört nicht zu primus, sondern zu dem Namen. 
Gewiss kann aus der Thatsache, dass der Schreiber ihn zuerst aufgezeichnet, 
geschlossen werden, dass der Mann unter den eben anwesenden Persönlich- 
keiten die notabelste gewesen, allein es muss nicht geschlossen werden, 
und auf alle Falle steht nur obige Erklärung fest. Dass ihn die neuere 
Kunstliteratur ohne Grund „Theodorich von Prag" nennt, indem dieser Bei- 
satz „Y0n Prag" niemals in Urkunden vorkommt, hat Schnaase (S. 439 An- 
merkung) treffend hervorgehoben. 
Was sonst noch über den Mann aufgezeichnet ist, ist Folgendes: Am 
28. April 1367 befreite Karl lV. mit Rath seiner Barone den Hof seines 
Malers Theodorich im Dorfe Morina nebst den dazu gehörigen vier Mansen 
von allen bezeichneten Steuern, giltig für den Maler und dessen rechtmässige 
Erben. Als Gegenleistung werden 30 Talente (Pfund) Wachs auferlegt, an 
die königliche Capelle im Karlstein jährlich in zwei gleichen Theilen, zu 
Michaelis (29. Sept.) und Georgi (23.April), also zu den gewöhnlichen Zins- 
zelten, abzuliefern. XVir glauben die" betreffende Urkunde, welche Pelzel 
(Kaiser Karl der Vierte König in Böhmen, II. Urkundenbuch, Seite 384-385) 
aus einem Copialbuch der Kirche in Karlstein zuerst veröffentlicht hat, hieher 
setzen zu sollen.  Karolus quartus etc. Notum facimus tenore praesentium 
universis, quod advertentes artiticiosam picturam et solemnem regalis nostrae
        

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