Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Des Johann Neudörfer Schreib- und Rechenmeisters zu Nürnberg Nachrichten von Künstlern und Werkleuten daselbst aus dem Jahre 1547
Person:
Neudörfer, Johann Gulden, Andreas Lochner, Georg Wolfgang Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1403538
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1404182
ADAM KRAFT, STEINMETZ. 
Lindenast für Steinwerk den bedungenen Lohn auszahlk, nicht ein 
Adam Kraft, sondern ein Adam Merz war, welchen Baader in seinen 
Beitr. l. 73, 101, 102 nachgewiesen hat. Adam Kraft war damals 
schon todt. Es bleibt daher das Jahr 14.90 als das erste, aus 
welchem mit völliger Sicherheit eine Arbeit Meister Adam's nach- 
gewiesen werden kann. Es sind das die durch Martin Ketzel (Kötzel) 
veranlassten sieben Stationen, die vom Pilatus-Haus ausgehend sich 
auf dem Weg nach St. Johannis hinziehen, wo damals wol schon 
eine zum Siechkobel gehörige Kirche mit einem kleinen Begräbniss- 
platze war, aber noch keineswegs ein allgemeiner Kirchhof, an den 
damals noch Niemand dachte. Welchen Grund Ketzel hatte, der 
allerdings zweimal, 1468 und 14.72, nicht wie gewöhnlich ange- 
nommen wird, 1477 und 14.88, nach Jerusalem pilgerte, das Haus 
S. 4.39 für das Haus Pilatus' zu erklären, ist unbekannt, ihm ge- 
hörte es nicht, so wenig als einem andern seines Geschlechts, und 
erst um den Anfang des 16. Jahrhts. fing man an, es das Haus 
„zum geharnischten Mann" zu nennen, sowol im Volksmund als auch 
urkundlich; das Pilatus-Hausiist aber eine erst für den Bedarf der 
Touristen und ihrer Ciceroni, der Lohnbedienten,  aufgekommene 
Benennung, die sich allerdings auf die Stationen gründet. Und, 
beiläufig gesagt, patriciatisch waren die Kötzel auch nicht, keiner 
von ihnen ging je zu Rathe, obgleich sie zu Aemtern und Gerichten 
gezogen wurden. Ihr Stammhaus war am Herrenmarkt, in den jetzt 
getrennten Häusern S. 7 und 8. 
In neuester Zeit hat Prof. Wanderer 1869 in der Schragi- 
schen Hof-Kunst- und Buchhandlung dahier die Werke Adam Kraft's 
in einer würdigen Ausstattung herausgegeben und einen erklärenden 
Text beigefügt, auf den man als vollkommen erschöpfend verweisen 
kann. Auch er sieht von einer früheren Thätigkeit des Meisters als 
1490 ab und vindicirt ihm nicht ein hohes Alter, als er zu Schwa- 
bach 1507 gestorben, sondern setzt seine Geburtszeit zwischen 1450 
und 14.60, indem die Arbeit des Sacramentshätlsleins allein jeden- 
falls eine noch rüstige, durch die Jahre noch nicht gebrochene 
Kraft voraussetzen lässt. Was die Ursache, wesshalb er zu Schwa- 
bach und nicht zu Nürnberg, wo er Haus, Hof und Garten besass, 
starb, wofür freilich nur Neudörfer einzustehen hat, gewesen sei, 
bleibt ein ungelöstes Räthsel, und die wahrscheinlichste Vermuthung 
bleibt immer, dass er durch seine Geschäfte dorthin geführt, plötz- 
lich erkrankte und, ohne zurückgebracht werden zu können, in das 
Spital geschafft wurde und dort das Ende seiner Tage fand. An 
Ort und Stelle angestellte Erkundigungen haben zu keinem Ergeb-- 
niss geführt. Wenn jedoch die von Campe adoptirte Jahrzahl 1490, 
in welchem Jahre er seine Frau Magdalena, die seine zweite Frau 
von Neudörfer genannt wird, geheiratet habe, auch von Wanderer 
angenommen und also das Jahr 1503 verworfen wird, so müsste 
die urkundlich als seine Witrwe erscheinende Barbara seine dritte 
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