Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Des Johann Neudörfer Schreib- und Rechenmeisters zu Nürnberg Nachrichten von Künstlern und Werkleuten daselbst aus dem Jahre 1547
Person:
Neudörfer, Johann Gulden, Andreas Lochner, Georg Wolfgang Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1403538
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1405840
HANNS EHEMANN, BRII 
.LENMACHER. 
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als ich sechzehen Jahr alt war, jezuweilen Brillen brauchen 
müssen. Er hat einen solchen Verstand, wo einer übersichtig 
war, konnt er die Brillen dermassen schleifen, dass sie ihm die 
aufsteigende Schein in die Augen herab trugen. Einem jeden 
Alter wusste er die Vergrösserung und Stärk des Gesichts mit 
der Brille zu geben, und welches mir das Wunderbarlichst war, 
er nahm ein ebenhoch Venedisch Trinkglas, that den Boden 
hinweg, brennet das Glas an der Seiten auf, und breitet es im 
Feuer aus wie ein eben Papier, und machet krystallene Brillen 
daraus. Er starb, als er ihm eine Ader hat schlagen lassen, am 
Tisch, und ist seiner Kunst Niemand fähig worden dann sein 
Vetter Georg, durch welches Abgang diese Kunst auch zum 
Theil gefallen ist. 
Wenn die bei Campe befindliche Angabe, dass er am 1. April 
1551 starb, richtig ist, so muss auch der letzte Satz ein späterer 
Nachtrag sein, da er über 1547 hinausgeht. Doppelmayr hat diesen 
Namen ganz übergangen. Am 7. Sept. 1517 wurde auf Absterben 
Niklas Schwarzen, Hanns Ehemann, Brillenmacher, zu einem Haupt- 
mann ertheilt in St. Elsbethen Viertel. (Rathsbuch) Da Niklas 
Schwarz in dem, zu St. Elsbeth gehörenden Oberwöhrtl gewohnt 
zu haben scheint, so wird Ehemanifs Wohnung auch in derselben 
Gasse oder Gegend zu suchen sein. 
KVenn diese Kunst oder Handwerk, nach Neudörfer, weder 
von hebräischer, noch griechischer, noch lateinischer Sprache be- 
nannt ist, so scheint er insofern Recht zu haben, als die seit 
Dufresne beliebte Ableitung von beryllus eine so tinbegreifliche 
und aller Logik widerstreitende ist, dass sie sich schwerlich allge- 
mein geltend machen wird. Das Wort wird in dem Rathsbuch, wo 
es aus mehrern Ursachen oft vorkommt, immer Parillenmacher ge- 
schrieben, eben so wie die Parillen- oder Futteralmacher, welche 
z. B. hölzerne oder pappdeckelne Kästen oder Futterale machten, 
zur Bedeckung und besserer Verwahrung von Kleinoden, Mon- 
stranzen und dgl. Sie werden immer Parillen geschrieben, niemals 
Perillen. Diese Schreibung und ihre Bestimmung, dem für sie be- 
stimmten Gegenstand  angemessen zu sein, ihn geometrisch zu 
decken, was auch in der Redensart, einem eine Brille vorsetzen, 
ersichtlich ist, sollte auf eine ganz natürliche Ableitung des Wortes 
aus dem Lateinischen führen, nämlich parilia, neutr. plur. von 
parilis. Im Laufe der Zeit Hel das a heraus, als Folge der Aus- 
sprache, und die Vertauschung der Muta. und der Tenuis wird 
Niemand als etwas Auffallendes ansehen.
        

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