Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Des Johann Neudörfer Schreib- und Rechenmeisters zu Nürnberg Nachrichten von Künstlern und Werkleuten daselbst aus dem Jahre 1547
Person:
Neudörfer, Johann Gulden, Andreas Lochner, Georg Wolfgang Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1403538
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1404990
VEIT STOSS, BILDHAUER. 
vorhanden waren. Eine kleine von der Irhergasse oder vielmehr 
dem Geyersberg zur Weissgerbergasse hinabführende Gasse hicss 
noch eine Zeit lang das TFLIIDFHGFgÜSSlCiII: 
In dieser ganzen Reihe von Jahren wird Veit Stoss nicht ge- 
nannt, keinenfalls so, dass er die missliebigen Beinamen, mit denen 
ihn der Rath bezeichnete, verschuldet hätte. Dafür ist gerade das 
Jahr 1518 durch die Vollendung seines grössten in Nürnberg noch 
vorhandenen Kunstwerks, des von der Familie Tucher gestifteten 
sogenannten Englischen Grusses, eigentlich einer Verkündigung 
Mariae, bezeichnet. Es muss der eigentlichen kLinstltennerschaft 
überlassen bleiben, dieses Werk nach seinem wahren Werthe zu 
würdigen, wobei nicht vergessen werden darf, dass es gerade wie 
Peter Vischer's Sebaldusgrab hart an den Scheidepunkt zu stehen 
kommt, nach welchem eine Nichtachtting dessen, was vorher hoch 
und heilig geachtet wurde, eintrat und nur eine in Nürnberg doch 
nicht ganz erloschene Pietät die in kindlich gläubigem Sinne ge- 
schaffenen Werke der Vorfahren gegen die wüste Bildcrstürmerei 
der Neuerer schützte. Das Interesse, das es einliösst, wird wesent- 
lich erhöht durch sein Schicksal, wenn man erwägt, dass es ge- 
wissermassen aus dem Nichts, d. h. aus einem ganz zertrümmerteii 
Zustand wieder in's Leben, d. h. in sein jetziges Dasein zurück- 
gerufen worden ist. 
Am 25. Juni 151g wurde vom Rath die Erlaubniss zur Auf- 
nahme von Veit Stossen Tochter in's Kloster Engelthal gegeben. 
Sie hicss Margareth und blieb daselbst bis 1552, wo sie wegen 
Ißibesgebrechlichkeit es verliess, aber bald darauf starb. Da durch 
den Tod Johann Zeitlelmairs (oder: Zeilmains), Priors im Kloster 
zu den Frauenbrüdern, eine Neuwahl nöthig war, so liess der Rath 
am Mittwoch 1. Fbr. 1520 den Provincial des Ordens ersuchen, 
dafür zu sorgen, dass an des Verstorbenen Stelle ein tapferer, ver- 
ständiger Mann gewählt würde, der in geistlichen und weltlichen 
Dingen dem Kloster wol vorstehen möge. Die Wahl Fiel auf Dr. 
Andreas Stoss, des Bildschnitzers Sohn, der auch in seinem neuen 
Arnte sich zwar tapfer und verständig zeigte, aber ebendesswegen 
1525 die Stadt verlassen musste. Durch die 1521 beginnende, aber 
schon 1522 zur Zufriedenheit der Sebald Garischen Eheleute be- 
endigte Rechtssache wurde Veit Stoss, nun schon im Greisenalter, 
nicht unmittelbarberührt, doch wird es ihm lieb gewesen sein, 
den Handel in einer für die Garischen Eheleute, die mit Kindern 
reich gesegnet waren, weniger aber mit irdischen Gütern, befriedi- 
genden Weise ausgehen zu sehen. 
Nun kam es in den sich überstürzenden reformatorischen Be- 
wegungen, gegen welche alles Andere zurücktrat, zu jenem bekannten 
Religionsgespriich vom  März 1525, in welchem der Rath er- 
kannte, dass unter den Anhängern der alten Lehre keiner so be- 
deutend sei als Dr. Andreas Stoss, I-h-ior zu den Frauenbrüdern,
        

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