Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401591
NOTEN. 
blosse Fictionen, dichterisch, aber vom Standpunkt der bildenden Kunst 
unkünstlerisch ersonnen sind, so geht aus der Kfergleichung der Programme 
Biondds ntit wirklichen Gemälden das Gegentheil hervor, es lässt sich nam- 
lich ein Theil der Angaben und Probleme, wie angedeutet wurde, auf eine 
gleichzeitige Kunstrichtung in der That zurückführen. Sie sind nicht Wort- 
schildemngen existirender Kunstvyerke, aber sie könnten viel eher Muster 
zu schaffender Gemälde sein, als die Philostratischen für Beschreibungen 
wirklich gewesener gelten dürfen. Biondds Pläne für die Gemälde sind sein 
Fligenthutn, denn originell sind die durchgehenden Absichten, in denen er 
stets ein abgeschlossenes Ganzes, sei es abstract moralischer oder allegorischer 
Natur, oder religiöser oder mythologlscher Art, zum Verständniss bringen 
will; ihnen liegt zwar der mythologische, geographische, poetische etc. Stoff 
im Allgemeinen zu Grunde, aber nicht bestimmte Dichterstellett u. dgl. wie 
bei Jenen. Wenn wir aber von den Reminiscenzen absehen, die Beobach- 
tungen an Wirklichen gleichzeitigen Bildern der venetianischen Schule in 
dem Autor hinterlassen haben, so ergibt sich allerdings das Eine als Ueber- 
einstimmung, dass vom Gesichtspunkte der bildenden Kunst vieles so wenig 
nach Biondo wie nach den Philostraten darstellbar Wäre. Wie bei diesen die 
Gesetze der Poesie und Malerei und ihrer Grenzen in Widerstreit gerathcn, 
so müsste hier der Maler, wollte er sich dem Programme fügen, seine Kunst 
zur Magd noch schlimmgünstigerer Fremden machen: vor allem einer aus- 
schweifenden Phantastik, die sich selbst über die physischen Verhältnisse 
von Zeit und Raum hinaussetzt und auf dem Bilde schauen will, was 
nicht einmal logisch zusammen gedacht werden kann. Seine Gemälde sollen 
sein innerstes Geistesleben, seine Gedankenwelt, sein Wissen illustriren, sie 
werden dadurch eine Art symbolischer Darstellungen zusehr individuellen 
Charakters, Tableaux, wie wir sie nur in den modernsten Producten bisweilen 
zu begegnen Gelegenheit haben. 
Gekannt haben dürfte Biondo die inmagines des Philostrat allerdings 
wohl. Zur Zeit, als der Verfasser in Venedig lebte, hatten dieselben hier 
bereits zwei Ausgaben bei Aldus erlebt und ausserdem fast gleichzeitig eine 
Borentinische im Jahre 1517. (Edit. Jacobs-Welcker, pag. XXI.) Man möchte 
fast der Meinung sein, dass manches aus dem Ideengange der Pittura in einigenu 
Zusammenhangc damit, vornehtnlich mit der Einleitung zum ersten Buche 
des älteren Philostrat, stünde. So überrascht die Aehnlichkeit der Stelle im 
Philostrat, wo von der Malerei als "Götterertindung" die Rede ist, von den 
Horcn, welche die Gefilde malen, und den Erscheinungen am Himmel, mit 
der des Biondo, Cap. 4., in welcher er von Gott, der die Welt malt etc., 
perorirt- Auch die Anführung, dass die Malerei Kleider und was in den 
Gemächern vor sich geht, darzustellen in ihrer Macht hat, findet sich bei 
beiden. Abgesehen davon, ist es an und für sich wahrscheinlich, dass Biondo 
die Sßhrlft lcüer Rhetoren gekannt habe, weil er sich ja selbst einen Jäger 
nach alten Schriften nennt. In diesem Sinne, was vielleicht die empfangene 
Anregung betrilft, könnte wohl daran gedacht werden, dass die imagines 
und ßiondüiS Pittura in einem gewissen Nexus stünden, aber sicher auch 
Quellenschriften t. Kunstgesch. V. 5
        

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