Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401588
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NOTEN. 
CAP. 
Züge und Reigen-Chöre, die z. B. Poliphil oder BellinTs Bilder enthalten, 
finden sich auch hier wieder, so auch in den Gruppen der Aerzte die Idee 
der Santa Conversazione, die Venedigs Malerei charakterisirt. Die sieben 
reizenden allegorischen Bildchen Giovanni Bellini's in der Akademie zu 
Venedig, welche ähnliche versteckte Bedeutungen enthalten, kommen mir 
hier in den Sinn. Ihre Darstellungen z. B. die Fortuna im Kahne mit ihrem 
Globus, den Genien und anderem wunderlichen Personale lassen sich auf 
den ersten Blick nicht deuten und Kugler scheint mit Recht zu bemerken, 
dass ihnen die nun vergessene Absicht des Bestellers zu Grunde liegen mag 
 eines Bestellers vom Geiste des Biondo! Desselben Meisters Bacchanale, 
zu dem Tizian die Landschaft malte, ist eine ahnliclt phantastische Dichtung; 
die wunderlichen Erfindungen der beiden Dossi, deren Kunst ursprünglich 
auf Venetianischer Basis beruht, ihre Bacchus-Feste, Teufelssceneu und Hexen- 
geschichten scheinen Kinder desselben Geistes zu sein; auch möchte ich 
noch an die sonderbare Schilderei erinnern, die Giorgione zum Urheber hat, 
in der Akademie zu Venedig. All dies dürfte von den Phantasien der 
Hypnerotomachia angefangen eine Kette von Erscheinungen bilden, an denen 
die Renaissance der Venetianischen Malerei eine Specialitäit aufzuweisen hat. 
Biondds wundeiliche Entwürfe sind ein Glied dieser Kette und für das 
Verstandniss des Ganzen gewiss nicht ohne KVerth. 
Im neunten Gemälde (Cap. 33) sollen die damals lebenden Schönheiten 
der Lagunenstadt verherrlicht werden, aber sie werden im antiken Costüm 
auf die Scene gebracht. Der Autor schreibt dem Maler genau vor, Gestalt 
und Zuge der ihm bekannten Venetianischen Damen zu beachten, sie 
aber als Nymphen und Amazonen zu maskiren. Diese Stelle bietet vielfaches 
lnteresse: verlangt ja Biondo hier, was eine allgemeine Sitte der Renaissance- 
Kunst gewesen. Diese seine Nymphen als Porträts Venetianischer Frauen 
sind Zeitgenossen jener Danaen und Venus, in denen Tizian's Pinsel berühmte 
Schönheiten seiner Zeit verklärte. 
Wenn man  und es kann nicht ausbleiben  beim Durchlesen dieser 
Gemälde-Entwürfe an die imagines der beiden Philostrate denken mag, so wird 
eine gewisse Analogie der Fälle zwar nicht geleugnet werden können, doch 
aber sind Veranlassung und Zweck der Verfasser gründlich von einander ver- 
schieden. Zwar ist auch Biondo ein Rhetor in gewissem Sinne, wenigstens 
genugsamer Phrasenmacher, dem auch zuweilen, wie Friedrichs (Die Philo- 
stratischen Bilder, Erlangen 1860) von jenem antiken Schriftsteller sagt, Alles an 
der Form , an der Sache nichts gelegen ist- hier aber müssen wir ihm doch glau- 
ben, dass Alles ernstgemeint sei. Er spricht bestimmte Wünsche aus, will seine 
Entwürfe ausgeführt sehen, bittet sogar die Maler, die Bilder anzufertigen, ja er 
möchte sich des Besitzes der Resultate erfreuen. Llmgekehrt wollen die 
Philostrate uns glauben machen, dass ihre Schilderungen wirklich vor- 
handene Schöpfungen der Malerei zum Gegenstande haben. Und während 
sie denn, wie des genannten Gelehrten Kritik dargethan, durch den Mangel 
einer Uebereixistimmung mit Geist undvFormenwelt, Anordnung und Styl 
der aus dem Alterthunu erhaltenen Kunstgcbiltle deutlich zeigen, dass sie
        

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