Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401577
NOTEN. 
CAp. 
Richtung der Kunst, bezeugen, dass Alles, was auf dem weiten Felde der 
wiedererxvachten classischen Bildung aufblühte, auch in dem Garten der 
Kunst Absenker getrieben hatte; wenn daher die Ideen unseres Verfassers 
fur die Zeitgenossen gewiss nichts läefremdliches, sondern ganz Allgemeines 
enthielten, so machen sie in einem anderen Sinne doch Anspruch darauf, 
individuelle Kundgebungen genannt zu werden. 
Biondo beabsichtigt nämlich ohne Zweifel, in diesen Entwürfen ein 
grosses Gesammtbild von allem Demienigen hinzustellen, was ihm als den- 
kendem Menschen, Gelehrten, Arzt, Kenner des Alterthums, als Philosophen 
und schliesslich selbst auch als Christen gross und der Verewigung werth 
erscheint. Ein Spiegelbild seines geistigen Strebens, seines Wissens und 
seiner Erfahrung, ferner wohl auch seiner Neigungen soll ihm die Kunst 
mit ihren reizenden Mitteln als schönen Mikrokosmos hervorzaubern. 
Daher wird hier die Welt und ihre Entstehung, die Mannigfaltigkeit 
ihrer Geschöpfe dargestellt und auch die Hindeutung auf das geheimnissvolle 
Walten der Gestirne findet Platz, denn der Glaube daran füllte BiondoÄs 
Seele aus, der ja zur Vertheidigung der Astrologie ein eigenes Buch geschrie- 
ben. Ein anderes Bild soll die Herrlichkeit der antiken Monumente vor uns 
entrollen, die Weltwunder, die später auch die deutsche Kunst gerne in 
phantastischen Compositionen geschildert hat. Es folgt die Eintheilting der 
Erdtheile nach Ptolomaeus, und auf diesem geographisch bezeichneten Terrain 
ergeht sich ein Völkchen von Gestalten der griechischen Mythe. Es fehlt 
auch „Hermes Trismegistos mit seiner Lehre" nicht, dem der Autor gewiss 
die mystische Verehrung gezollt, die ihm Alle seinesgleichen darbrachten; 
das fünfte Gemälde ist eine Verherrlichung seines eigentlichen Standes, der 
Kunst der Aerztc; in anderen stellt er in beinahe moralisirender Weise her- 
vorragende Exempel von Verrätherei und anderem Unrecht in antiken, 
historischen und sagenhaften Personen uns vor die Augen; wieder ein Bild 
ist eine detaillirt durchgeführte Allegorie des menschlichen Schicksals. im 
Gleichniss einer Schifffahrt; dann bezeugt der galante und verliebte Autor 
auch der schöneren Hälfte seine Huldigung und schliesst endlich mit einer 
übersichtlichen Darstellung der Hauptpunkte christlicher Lehre. Aber es 
darf auch der Bitte im Vorworte nicht vergessen werden, in welcher Biondo 
so Hehentlich seine "lieben Maler" anruft, ihm ein Gemälde des Venetiani- 
sehen Meeres zu fertigen  es fehlte nur noch dieser Zug der Heimatsliebe, 
um das Gesammtbild des inneren Lebens, des geistigen und gemüthlichen 
Wesens des ganzen Menschen mit allen Nuancen und Schattirungen vollen- 
det zu sehen, die das Licht classischer läiltlung in ihm hervorrufen konnte. 
Aher Biondcfs Entwürfe sind noch aus einem anderen Grunde lehr- 
reich; sie athmen völlig den Geist seiner heimatlichen Kunst und zeigen, 
dass der Verf, wenn auch selbst nicht Künstler, in Dingen der Kunst doch 
ganz so denken und combiniren musste,'xvie ihn der Einfltlss der in Venedig 
heimischen Kunst influenzirte. Jenes heiter phantastische Element, welches 
auf den Tafeln der dortigen Meister um jene Zeit sich so gerne im mytho- 
logischen Gewande darstellt, die Nymphen-Bilder und Bacchanale, Triumph-
        

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