Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401259
BIONDO, VON DER MALEREI 
allen Linien ihre Richtung gebet. Und dies ist es, 
der Composition der Flächen erwartet. 
{T1311 VOD 
WEIS 
Von 
der 
Composition 
Cap. g. 
der 
Glieder. 
Bei der Composition der Glieder, von welchem Körper 
du willst, ist es nöthig, dass alle Glieder unter einander in 
Uebereinstimmung stehen. Nun kann man aber sagen, dass 
diese Gliedmassen dann vollkommen übereinstimmen, wenn sie 
sowohl in der Grösse als in ihrem Zwecke und in den Arten 
der Farben und den Extremitäten, wenn diese nur von der 
gleichen Beschaffenheit sind, der Schönheit und Anmuth und 
Eleganz des Körpers entsprechen. Wenn aber etwa in einem 
Bildwerke der Körper sehr umfangreich, die Brust aber klein 
und eng, die Hand ausser allem Verhältniss gross, und der Fuss 
plump und aufgeschwollen wäre, so würde ohne Zweifel eine 
solche Composition unförmlich und hässlich anzusehen sein. 
Deshalb sucht man ein festes Mass und Verhältniss für die 
Grösse der Glieder, denn ein solches Mass unterstützt den Maler 
bedeutend. Darum Wirst du an dem Thiere vorerst die Kno- 
chen mit gutem Verstande malen, an ihren Orten in richtiger 
Weise, wie es sein muss; und da die Knochen selbst sich nicht 
krummen, so muss man ihnen die Nerven und Muskeln an- 
schmiegen, indem man sie an ihren Ort setzt, schliesslich aber 
sowohl Knochen als Muskeln noch mit Fleisch und Haut über- 
kleiden. Wenn jedoch einer von euch, meine lieben Leser, 
dieser Lehre gegenüber den Einwand erheben wollte, dass ich 
ja oben schon gesagt habe, eine solche Sache schicke sich nicht 
für den Maler, da sie nicht vollkommen erschienen, so denkt er 
ohne Zweifel vernünftig. Nichtsdestoweniger ist es nothwendig, 
gerade wie beim Malen eines Körpers derselbe erst gezeichnet 
und dann mit Gewändern bedeckt werden muss, einen mensch- 
lichen Körper oder den eines wilden Thieres mit Knochen, 
Nerven und Muskeln zu malen, die nach Verhiiltniss gesetzt 
worden sind, und dann noch mit Fleisch und Haut zu beklei- 
den, so zwar, dass dadurch deutlich wahrgenommen werden kann, 
auf welche Weise und an welchen Stellen die Knochen und
        

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