Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401239
habe. Es soll also auf dem Netze, sobald darauf die Parallel- 
Linien eingetragen sind, von den Seitenansichten, oder Was du 
sonst gemalt haben Willst, zuerst die Vorderansicht oder eigent- 
lich die Hauptsache des Gebäudes aufgenommen werden. Ich 
sage euch also, was ich mit diesem Gebäude anfangen will, 
ich beginne mit den Fundamenten und bezeichne euch deshalb 
die Breite und Länge der Mauer und der Grundfeste. Durch 
diese Aufzeichnung sollet ihr mit Einem Blick erkennen den 
Aufriss auf dem Boden, jeglichen viereckigen Körper und die 
rechten Winkel, ob sie richtig sind oder nicht. Indem ich euch 
ferner die Fundamente der Wände oder des oberen Geschosses 
bezeichnen will, möchte ich, dass ihr dieselbe Weise beobachtet, 
wie ich euch hier auseinandersetzen Will. Jene Theile oder jene 
Seiten, welche sich dem Blicke darbieten, die ziehet allmälig 
mit dem Pinsel, wobei ihr immer bei den nächstgelegenen 
Flächen beginnet, ohne die übrigen Theile zu berühren und 
fanget insbesondere mit jenen an, welche von den Durch- 
schneidungen (der Parallelen) gleichmässig entfernt sind, indem 
ihr ihre Flächen vor denen der anderen machet. Ihre Breite 
ordnet oder zeiget an, wie sie auf der Grundtliiche gegeben ist, 
indem il1r eben so viele Ellen, als ihr sehet, dass diese an 
Grösse hat, auch dem verleiht, was mit ihr parallel ist. Nehmet 
die Hälften der Parallelen mit der wechselseitigen Untertheilung 
des einen oder des anderen Durchmessers; dann nimmt diese 
Theiltlngslinie von Durchmesser zu Durchmesser die Mitte des 
Viereckes ein, und mit diesem Masse der Parallelen werdet ihr 
die Länge und die Breite jedes Gebäudes leicht angeben können. 
Ausserdem sage ich euch, dass die Höhe der Darstellung sich 
hieraus ergibt etc. etc. etc. 
Wisset, dass die Composition nichts Anderes ist, als jener 
Vorgang desMalens, wodurch die einzelnen Theile des Ge- 
mäldes in demselben zusammengestellt ulerden und ich sage 
euch, dass das grösste Werk des Malers nicht ein Koloss oder 
eine andere riesige Sache zu sein braucht, sondern der Maler 
soll eine Historie malen, denn eine gemalte Historie gereicht 
ihm zu grösserem Lobe als ein Koloss. Denn die Theile der 
Historie sind die Körper, und die Theile der Körper sind ihre 
Glieder und die Theile der Glieder sind die Flächen. Demnach
        

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