Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401219
leicht und richtig zu malen, gewährt, das wird der Maler nach 
eigenem Urtheil und durch seine Erfahrung begreifen können. 
Deshalb darf man nicht auf diejenigen hören, welche sagen, 
dass dieses Mittel dem Maler nichts fruchte, dass derselbe sich 
vielmehr selber in dieser Sache üben müsse und er hiedurch 
bloss grosse Beihilfe im Malen erlangen werde. Nichtsdesto- 
weniger sage ich, dass ohne jenes nichts gemacht werden kann, 
was wünschenswerth wäre, weil der Maler (wenn ich mich 
nicht irre) nicht die Mühseligkeit sucht, sondern vielmehr seine 
Malerei mit grösstmöglichei" Leichtigkeit herzustellen wünscht, 
dass sie hervortretend und dem Körper ähnlich erscheine, oder 
seinem Vorbilde, bezüglich dessen ich nicht begreifen würde, 
auf welche Weise er ohne das Lamma dazu gelangen könnte, 
dass er es verstünde. Darum ziemt es Jenen, welche einen 
Nutzen aus der Malerei ziehen wollen, dass sie sich mit dem 
Gebrauch des Lamma vertraut machen, weil ohne dasselbe 
Mittel der Maler gezwungen ist zu wanken. Aber mit demselben 
geht er gcmäss der Messung vor und verfolgt dasselbe Princiip 
durch die Parallelen, er malt immer besser mit Hilfe des Lamma 
und es gelingt dabei sowohl die transversale Linie als anderer- 
seits die perpendiculare, da ihm die Umrisse der Malerei vorge- 
zeichnet sind. Ungeachtet dessen bleiben freilich dem vollkom- 
menen Maler manche Umrisse der Gestalten noch immer zwei- 
felhaft und unbestimmt, wie man an den Gesichtern bemerken 
kann, welche wir nicht xrollstäindig erkennen, an jenem Theile, 
wo die Schläfen an der Stirn beginnen, und wie sehr sie von 
einander abweichen; deshalb brauchen die jungen Maler eine 
Schulung, nach deren Grundsätzen sie die Vergleichung einer 
solchen Sache verfolgen können. Wisse aber, trefflicher Maler, 
dass das Lamma euch dies vollständig zeigt. Und wie ihr die 
plane Figur dadurch erseht, wie gross sie sei mit ihren eigenen 
Lichtern und Schatten, nicht anders bemerkt man dies auch an 
der sphärischen und hohlen Fläche, und beinahe noch mehr 
unterscheidet man durch die Quadrate auf der Figur die ver- 
schiedenen Schattenßeckc und Lichtstellen, so dass ihr sagen 
werdet, jede Partie des Gemäldes erscheine verschieden in den 
Lichtern und Schatten, und beobachten sollet, wie solche Man- 
nigfaltigkeit das Gemälde wundersam verschönert. Hat eine
        

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