Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401200
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3101x100, 
VON DER MALEREI. 
seien Parallel-Linien und Felder, und so viele Quadrate einge- 
tragen, als ihr auf dem Rahmen unterschieden. Diesen Gegen- 
stand setzet ihr zwischen den Körper, welcher dargestellt werden 
soll, und das Auge, so dass durch jenes dünne Gewebe, welches 
man die graticula nennt, die Sehlinien, welche eine Pyramide 
bilden, durchdringen können. Diese Beobachtung hat in sich 
sehr viele Vortheile und der erste Vortheil ist, dass sich immer 
dieselbe Gestalt ohne sich vom Ort zu bewegen, gleichmässig 
darstellt. Sobald nun die Umrisse gezogen sind, so werdet ihr 
rasch das erste Abbild in der Pyramide erhalten, eine Sache, 
die wirklich sehr schwierig erscheint, wenn nicht jenes Stück 
dazwischen gesetzt würde. Du kannst von dir selbst verstehen, 
o weiser Maler, wie es schier tinmöglich ist, durch Malen eine 
Sache nachzubildexi. S0 aber kommt es, dass die gemalten Dinge, 
weil sie stets dieselbe Gestalt bewahren, auch von dem Maler 
in derselben Weise dargestellt werden, und zwar viel leichter, 
als dies in der Sculptur der Fall ist. Wir ahmen also (den Gegen- 
stand) nach, indem wir die Theile messen, welcher Zwischen- 
raum oder welche Entfernung vom Augpunkte die Sache ver- 
ändert habe, ob sie recht oder anders ist, aus dieser Ursache 
ist der Nutzen, den euch dieses Lamrna bietet ein grosser, weil 
es den Gegenstand stets unverändert in eurem Anblicke bewahrt. 
Von weiterem Vortlieile ist es, dass man die Lage der Umrisse 
und die Grenzen der Gestalten von hier zum Malen eines 
Bildes übertragen kann. Da ihre Orte ganz bestimmt sind, lassen 
sie sich leicht anordnen. Ferner werdet ihr gewahr werden, dass 
in diesem Lamma mit Hilfe der Parallelen die Stirne und die Um- 
gebung der Nase in der Nähe der Wangen, und der untere des 
Kinnes und alle ähnlichen Partien an ihren rechten Platz gebracht 
werden können, dies übertraget ihr nun durch die Parallelen 
auf das Bild oder einen anderen Ort, wo ihr malet, deshalb 
werdet ihr bestrebt sein, die genannten Tlheile in der schönsten 
Weise wie ihr nur könnet, anzubringen. Endlich sage ich euch, 
dass das Lamma auch insoferne euch grosse Unterstützung ge- 
währt, um der Malerei die Vollendung zu geben; denn ihr 
werdet dadurch die Dinge hervorspringend und plastisch in der 
Fläche des Lamma erblicken, darauf sie entworfen und gemalt 
sind. Wie gross der Nutzen sei, welchen euch das Lamma, um
        

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