Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401199
BIONDO, 
VON DER MALEREI. 
die Farben, welche er auf der Gesammterscheinung, die sie dar- 
stellen, unterscheidet, die Sorgfalt seiner Kunst verwenden. 
Alle diese Unterschiede, welche in der Malerei vorkommen, 
werden durch das Licht verursacht und dann vom Maler geschickt 
wieder gegeben, man nennt sie die Lichtwirkungen. Die Um- 
reissung, die Composition und die Lichtwirkungen sind also die 
drei Theile, Welche die vollkommene Malerei ausmachen und 
ich werde daher von diesen drei Theilen handeln, indem ich 
mit der Umreissung den Anfang mache. 
Die Umreissung ist derjenige Theil der Malerei, welcher 
den äussersten Umfang oder den Saum mit den für die Malerei 
gehörigen Linien angibt, in welcher Beziehung der Maler Parrha- 
sios ausgezeichnet war, wie Xenophon schreibt, er behandelte 
die UlDTlSSllHlCD mit höchster Sorgfalt, denn dieser Theil muss 
von dem Maler vorzüglich in Acht genommen werden, indem 
er die Figur mit den feinsten Linien umzieht, welche man mit 
dem Auge kaum wahrnehmen kann. Nichtsdestoweniger sagt 
man, dass der Maler Apelles in dieser Hinsicht der entgegen- 
gesetzten Meinung gewesen sei und man liest, er habe über diese 
Sache mit dem Protogcnes eingehend disputirt. Die Umreissung 
ist also nichts Anderes, als die Bezeichnung der Säume, welche 
Linien so gemacht sein sollen, dass sie mit dem Rande der 
gemalten Gestalt zusammenfallen, oder dass sie wie Sprünge 
oder Spalten erscheinen. Abgesehen von diesem verlangt man 
nichts Anderes von dem Wesen der Umreissung, als, dass sie 
den Umfang und die Contour der Ränder in dem Gemälde 
durchaus verfolge, hiezu ist dem Maler sehr nöthig, dass er sich 
tibe, indem weder eine Composition, noch eine Darstellung des 
Lichtes je gelobt werden wird, welcher die Anordnung der 
Umreissung abgeht. Diese muss mit höchstem Fleiss betrachtet 
werden, wesshalb ich urtheile, dass man keine nützlichere Sache 
für die Malerei finden kann als die Eintheilung derselben. Von 
dieser pflegt der kluge Maler Gleichmässigkeit zu verlangen, 
wie sie üblich ist, und ein Maler, welcher hierin nicht gut unter- 
richtet ist, ptlegt vielmals irre zu gehen. Deshalb sage ich, dass 
der Vorgang von folgender Art sein soll: ihr werdet ein Geräthe 
finden aus fein gesponnener und durchsichtig gewebter Wolle 
von welcher Farbe ihr wollt, aber von etwas dickerer Wolle
        

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