Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401173
BIONDO, 
VON DER MALEREI 
Volkes, SOndern auch der wilden Thiere bewege, und ich meine, 
die Natur ergötze sich selber mit der Malerei, auch freut sie 
sich, wenn sie einen vollkommenen Maler erzeugt hat. Sie selber 
pflegte fortwährend die Malerei, wie wir denn die Wiesen 
und Felder, auch die in mannigfacher Weise hell bemalten Berge 
gesehen haben, sie stellt uns die verschiedenartigsten Formen von 
Thieren und vielen anderen Dingen vor Augen; ihr wundert 
euch daher wohl nicht, wie ich glaube, wenn man liest, dass 
auf einer Gemme des Königs Pyrrhus die neun Musen mit 
ihren Abzeichen von der Natur dargestellt waren. Wisset des- 
halb, ihr meine zu verehrenden Maler, dass niemals ein Zeitalter 
oder irgend eine Frist vorübergegangeil ist, in der Erfahrene 
wie Unerfahrene sich nicht an der Malerei vergnügt hätten, 
wesswegen ihr sagen werdet, dass es nie eine Kunst in der 
Welt gegeben habe, die mit mehr Ergötzung oder Wohlgefallen 
erlernt werden könne, als die Malerei. Indem ich mich höchlich 
an ihr erfreue, gestehe ich offen, dass ich gar viele Male ging, 
um malen zu sehen, auch verwende ich viele Zeit darauf, um 
verschiedene Figuren dieses oder jenes Malers zu betrachten, 
weil sie uns engelgleiche Gestalten vorführen, die mir die Natur 
zu übertreffen scheinen durch die Vorzüglichkeit ihres Künstlers. 
Darum gehe ich schier stündlich meinen Geist an der Malerei 
zu weiden, und nur sehr selten trenne ich mich von einem 
schönen Gemälde so befriedigt, dass ich sagen könnte, ich wäre 
gleichsam satt von dem Betrachten. Die Malerei ist deshalb 
nicht allein ehrenvoll und reich an Lob für ihren Maler, son- 
dern auch fruchtbringend und von dauerndem Ruhme, denn 
welcher Maler seine Malerei liebt, der erwirbt von derselben 
grösseren Nutzen als der reichsteKaufmann, den man nur wolle, 
denn sie ist Klugen wie Unklugen angenehm. Darum, ihr Jüng- 
linge, die ihr dem Studium der Künste obliegt, befleissigt euch 
der Malerei in der Zeit, die ihr erübrigt, denn ihr vergeudet 
sie dadurch nicht, sondern verewiget euch durch das Studium 
der Malerei. Ferner ermahne ich euch, o Maler, dass ihr stets 
der Malerei oblieget, mit grösserem Eifer als ihr bisher gethan, 
denn die Malerei ist die hervorragendste der Künste. Euer Name 
und euer Ruf wird jeden Gewinn übertreffen, den irgend eine 
noch so schöne Kunst bieten kann; seid nicht habsüchtig in
        

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