Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401137
eine grössere Sache von der Malerei, von 
sie alle anderem Künste meistert. Und 
der ich bekenne, dass 
wenn ihr dies nicht 
sagen wollt, so werdet ihr doch sprechen, dass die Malerei die 
schönste Zier sei, welche in der Welt sich findet. Denn wenn 
ihr die Kunst der Architektur betrachtet, Werdet ihr finden, 
dass die Capitäle, die Epistyle, die Kugeln, die Säulen, die 
Giebel sammt all dem, was für diese Kunst erforderlich ist, 
vorher durch die Malerei hervorgebracht wird, was man sehr 
deutlich gewahr wird, wenn man sieht, wie ein Mensch nur ein 
Häuschen oder Hüttchen herstellt. Denn er macht sich dazu 
mit dem Pinsel oder mit der Kohle seine Skizze, und ist die 
Skizze entworfen, so schickt er sich an die Ausführung in der 
Art, dass er sein Gebäude nach dem gemalten Modelle vollen- 
det. Deswegen schliesse ich, dass nicht allein die Architektur, 
sondern alle sonstigen bildenden Künste insgemeiiu, ihren Ur- 
sprung in der Malerei haben. 
Die Malerei nämlich ist die Grundlage aller mit der Hand 
auszuübcnden Künste, weil sie eine feste Regel hat, die anzeigt, 
wie man eine solche Arbeit und Kunstsache machen oder nicht 
machen soll, so dass ich endlich den Schluss ziehe und behaupte, 
es gibt keine noch so Llnbedeutendc und geringe Kunst, 
welche nicht thcilhabc an der Malerei. Denn welchen Zierrath oder 
welche Schönheit man immer wolle, die sich an den Sachen in 
der Welt findet, sie entsteht und kommt von der Malerei, wie klar 
zu ersehen, wesshalb ich mich gar nicht wundere, dass die 
Malerei bei unseren Vorfahren in grosser Ehre gestanden ist. 
Ihr wisset ja, dass alle anderen Künstler von klugen Leuten 
viel weniger geschätzt werden als ein guter Maler, und dieses 
wegen der Vorzüglichkeit der Malerei. Wenn solches wahr ist, 
so sieht ein jeder klar, wie grosses Lob ihr Erfinder verdient 
und sagt man, es sei dies Narcissus gewesen, von welchem die 
Dichter melden, dass er in eine Blume verwandelt worden sei, 
denn die Malerei hat Aehnlichkeit mit einer Blume und ist in 
dieser Hinsicht die Blume aller Künste und wenn ihr deshalb 
die Fabel von Narcissus erwäge-t, so werdet ihr finden, dass das 
wahr sei, was ich euch sage, indem das Malen nichts Anderes ist als 
ein Sammeln von Blumen der Künste, nicht anders, als man es 
mit dem Pflücken der Blumen zu halten pllegt, welche unter 
29?
        

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