Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401091
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VON DER MALEREI. 
Sache oder meine Figur immer vor seinem Antlitze steht. Sage 
nun, siehst du nicht, wie dadurch der Maler angespornt ist, sein 
schwaches Werk in einer Weise zu zeigen, dass es des Zeus 
würdig ist, und es dem Zeus zu opfern, weil es diesen darstellt 
und er in ihm angebetet werden soll. 
Wie ich also bei den Alten in Ehren stand, mag dir aus 
dem Gesagten kund werden, aber gegenwärtig haben mich Alle, 
XVenige ausgenommen, wie faule Thoren und Schlaftrunkene über 
die Achseln geworfen und gleichsam der Vergessenheit über- 
antwortet. Aber siehe doch, wer ich bin und wie ich geliebt 
wurde, und bedenke bei dir selbst, 0b ich verachtet oder geschätzt 
werden müsse, indem ich nicht nur unsere Könige, sondern 
auch die vergangenen und das Lob der Vorfahren male. Was 
soll ich denn noch über die Malerei reden, nachdem Gott selbst 
den Himmel mit den beiden grossen Lichtern und den vielen 
Sternen bemalt hat, welche den Sterblichen Tag und Nacht 
leuchten; er malte auch die lalft mit den Blitzen, den Donnern, 
dem Hagel, dem Regen und den dichten Wolken; ausserdem 
erblickt man das Meer gemalt, denn zuweilen sieht man es 
röthlich werden, zuweilen lichter und manchesmal ist es doppel- 
färbig von der Luft und durchsichtig, und diese Verschiedenheit 
der Farben verleiht ihm die Malerei. Nach den genannten Din- 
gen bemalte Gott die Erde mit Bergen, Hügeln, Menschen, 
Städten, Schlössern, Wäldern, wilden Thieren, feurigen Dünsten 
und verschiedenen Dingen, welche ich übergebe, weil sie dir 
bekannt sind. Daher soll Jeder mich nach seinem Vermögen 
erfassen und mich nicht verjagen oder sonst schädigen. Aber 
diese Vision erzähle den Freunden, die dir begegnen, von denen 
sich vielleicht Einer in Liebe zu mir wenden wird und wisse, 
dass es mir eine angenehme Sache sein wird, wenn ich nur 
Einen unter Tausend finden kann. Wundere dich nicht, mich zur 
Flucht und zum Abschiede gerüstet zu sehen, denn mir scheint 
es, dass ich Wenige befriedige und ihnen nicht genehm bin, 
ungeachtet dessen hält mich ein Gewisser, den ich begegnete, 
der gelehrter ist in der Malerei als die anderen, zurück und 
bestärkt mich wieder aufzuathmen, dieser ist ein scharfsinniger 
Mann, der in Florenz aufgezogen wurde; er hat mich wieder 
in's Leben gerufen. Aber du sei gänzlich meiner eingedenk, da
        

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